Donnerstag, 24. Mai 2012

Schnorchelausflug nach Klein Bonaire

Mittwoch, 23. Mai 2012, Schnorcheln vor Klein Bonaire

Am Vormittag bringe ich den Leihwagen zurück, während Lisa das Boot putzt. Um 12 sind wir mit Oliver und Andrea von der Mariposa verabredet. Wir wollen gemeinsam mit unseren Dinghies zur unbewohnten Insel Klein Bonaire hinüberfahren, die immerhin eine Meile entfernt liegt. Bei dem starken Wind und dem dazugehörigen Seegang empfinden wir es als sicherer, mit zwei Booten unterwegs zu sein. Außerdem nehmen wir eine Handfunke mit. Die Ballerina Crew ist hörbereit auf Kanal 71.

Das Schnorcheln vor Klein Bonaire ist phantastisch. Das Riff fällt von 50 cm Wasserteife kontinuierlich bis in unsichtbare blaue Tiefen ab. Es gibt wunderschöne Korallen und reichlich Fische zu bewundern, auch wenn ich heute keine größeren Räuber vor die Linse kriege. Nach einer Stunde schnorcheln und einem Strandspaziergang machen wir uns wieder auf den Rückweg, der diesmal gegen die Wellen geht. Da wir eh aus dem Wasser kommen, macht uns das Spritzwasser nichts aus, das literweise ins Boot schwappt.

Zu Mittag gibt es Rigatoni (diesmal vom Skipper zubereitet), parallel arbeiten Wassermacher und Computer. Anschließend backt Lisa ein neues Brot. Leider hatten wir das letzte Drittel des vorherigen wegen Schimmelbefalls wegwerfen müssen. Um fünf treffen sich die Ballerinas, Mariposas, Felices und Gipsies bei Karel zum Sundowner, der heute bis acht dauert. Die Tralafiti ist heute morgen schon nach Curacao aufgebrochen. Mit einem Bier und drei Wein im Bauch geht Lisa beim boarden des Dinghies von der doch realtiv hohen Pier zum zweiten mal in voller Montur baden. Diesmal inclusive Handy, was anschließend nicht mehr zu gebrauchen ist. Onno ist sofort hilfsbereit und zu zweit haben wir Lisa schnell wieder ins Boot gezogen. Sie nimmt es mit Humor.

 

023a korallen

Eigentlich sollte ich jetzt versuchen, alle Korallen und Fische zu identifizieren und entsprechend zu beschriften. Dazu fehlt mir aber im Augenblick die Zeit und Energie. Die Bilder müssen also für sich sprechen

023b korallen

023c korallen

023d korallen

023e korallen

023f blue parrot

023g weichkoralle

023h turtle vor blau

023i fischpulk

023j filschpulk

023k bunte korallen

023l orange koralle

023m

023n trompetenfisch

023o fische

023p am strand von klein bonaire

Mit Andrea und Oliver auf Klein Bonaire

023q gipsy4 vor kralendijk

Unser Liegeplatz vor Kralendijk, ziemlich dicht an der Promenade und mit kurzem Weg zum Dinghy Dock

Mittwoch, 23. Mai 2012

Washington Slagbaai National Park

Dienstag, 22. Mai 2012, Bonaire, Washington Slagbaai National Park

Gesa und Onno von der Ballerina haben sich entschlossen, mit uns mitzufahren und so sind wir heute zu viert unterwegs. Nachdem Christine die beiden auf den Fotos von vorgestern erkannt hatte, haben wir heute festgestellt, dass wir uns doch schon von Grenada her kennen. In der Port Louis Marina haben wir abends mal zusammen am gleichen Tisch gesessen.

Gleich am Morgen tauschen wir unseren Kleinstwagen gegen einen Jeep und machen uns auf den Weg. Um kurz nach zehn kommen wir am Visitors Centre des Nationalparks an und von dort an gibt es nur noch grobe Schotterpisten, die meistens von dichtem Buschwerk und Kakteen, Kakteen und Kakteen gesäumt sind. Die Landschaft ist wild und wirkt vollkommen unberührt. Außer uns sind nicht viele Autos unterwegs und an den diversen Aussichtspunkten sind wir meistens die einzigen Besucher.

Nonstop würde die Rundtour durch den Park 2,5 Stunden dauern, mit unseren vielen Stops entsprechend länger. Zu Mittag machen wir eine Pause am Boca Slagbaai Beach. Hier gibt es ein kleines Restaurant, wo wir einen hervorragenden Cesar Salad mit Hühnerbruststreifen essen und ein Bierchen trinken. Die Aussicht auf den See mit den Flamingos auf der einen, der weiße Strand mit einfassender Felsenküste auf der anderen Seite, bilden insgesamt eine faszinierende Athmosphäre. Wir genießen die Gesellschaft der Ballerina Crew und verbringen einige schöne Stunden bei dieser Besichtigungstour. Nebenbei tauschen wir uns selbstverständlich über die unterschiedlichsten Aspekte des Fahrtensegelns aus. Wir hören heute erstmals den Spruch: "Man kann natürlich auch ohne Boot leben, aber es macht keinen Sinn" über den man lange nachdenken kann.

Auf dem Rückweg gehen wir noch etwas einkaufen, nehmen einen Sundowner in Karel's Bar und sind zum Sonnenuntergang an Bord zurück. Lisa macht Bratkartoffeln mit Speck und Zwiebeln.

 

 022a gischt am felsen

022b brandung vor felskueste 022c brandungswellen 022d brandung 022e brodelndes wasser 022f lizard

Eidechsen gibt es in Hülle und Fülle. Wir sehen auch ein paar Leguane. Diese sind aber so scheu, dass sie schnell reißaus nehmen

022g einzelner kaktus 022h kaktus an der wade

Kakteen ohne Ende. Eine mag mich so sehr, dass sie mir ans Bein springt

022i salzkristalle

In kleinen Tümpeln über der Felsenküste sammeln sich Salzkristalle, die fast wie eine Eisfläche aussehen

022j lisa gesa onno

Überwiegend rauhe Küste und Steinstrände auch im eher ruhigen Nord-Westen der Insel

022k pelikane u flamingos

In der Boca Slagbaai kommen wir den Flamingos deutlich näher, als gestern

022l flamingos u pelikane

Einmal rund Bonaire

Montag, 21. Mai 2012, Inselrundfahrt Bonaire

Unser erster Weg führt zum Tourist-Office, wo wir uns Tips für den heutigen Tag holen. Die Lady dort ist kompetent und ausgesprochen freundlich. Anschließend marschieren wir ins Flamingo Beach Hotel zu einer Hertz Station und leihen uns ein Auto. Meine seit Ewigkeiten nicht genutzte Hertz Gold Card ist offenbar noch gültig und wir kriegen 15 % Rabatt.

Zunächst fahren wir in den flachen Südteil der Insel, der von den riesigen Salzseen und der Salzgewinnung dominiert wird. Sklavenhütten zeugen davon, dass auch hier, und zwar schon am Anfang des 17. Jahrhunderts, geraubte Menschen für den Arbeitseinsatz importiert wurden. Die Farbenpalette ist bei dem schönen Sonnenschein überwältigend. Alle paar Meter halten wir an, um Fotos zu machen. Mittags eine kleine Getränkepause an der Lac Bay, dann fahren wir in den Nordteil nach Rincon, der zweiten größeren Ansiedlung auf der Insel. Hier essen wir einen kleinen Snack zu Mittag im LE-MA-SE, einem mini open air Restaurant. Wir bestellen mit Hühnerfleisch gefüllte Teigtaschen. Der Wirt, Norman Roosje, ist total begeistert: von seinem Essen, von uns, von Bonaire. Gratis bekommen wir zwei Tassen Suppe. Diese seine Spezialität sei sogar auf Aruba bekannt. Er gibt uns seine Visitenkarte und bittet uns, sein Lokal in Deutschland oder Österreich zu promoten. Der Kerl ist total liebenswert, auch wenn sein Englisch etwas schwer verständlich ist. Wir beenden unsere Tour mit einem Abstecher in den hohen Norden zum Nationalpark, den wir aber mit unserem Auto nicht befahren dürfen, weil die Straßen für unser Auto zu schlecht sind. Außerdem sollte man den Park am Morgen besuchen, um mehr Zeit zu haben für die 25 Dollar Eintrittsgeld pro Person. Heben wir uns für morgen auf.

Um 17 Uhr sind wir an Bord zurück. Ich fahre noch kurz mit den anderen deutschen Cruisern auf ein Bier an Land, bin aber nach einer Stunde wieder an Bord zurück zum Abendessen. Der Tag war lang genug.

 

 021a suedweststrand bonaire

Überwältigendes Farbspektrum im Südwesten der Insel

  021d saline mit salzbergen

Salz wird hier seit dem frühen 17. Jahrhundert gewonnen. Das lilafarbene Wasser bildet einen beeindruckenden Kontrast zu den weißen Salzhalden und dem vom Wind aufgepeitschten Schaum

021e saline mit salzbergen

 

021f slavehut

Sklavenhütte zwischen Saline und Strand

021g salz obelisk

Diese Obeliske gab es in vier verschiedenen Farben. Sie signalisierten den ankommenden Schiffen die unterschiedlichen Salzqualitäten an den Landestegen

021h slave huts mit obelisk

Diese Sklavenhütten stehen ganz im Süden der Insel. Wir haben sie auch schon von See aus gesehen, als wir das Kap unter Segeln gerundet haben

021i orange slavehuts 021j viele flamingos

Jede Menge Flamingos in der Bildmitte

021k brandung

An der Westküste hohe Brandung wegen der immer noch anhaltenden 6 Windstärken. Gegen den Plastikmüll, der hier angeschwemmt wird, kann auch eine noch so umweltbewußte Inselregierung umöglich ankommen

021l fuenf flamingos

021n startebde flamingos

021o kakteen everywher

So viele Kakteen wie auf Bonaire habe ich noch nie zuvor gesehen. Die ganze Insel ist übersät davon

021p wilde esel

Von den wilden Eseln gibt es wahrscheinlich genauso viele wie von den Flamingos

021q norman u lisa

Norman bewirtet uns köstlich in Rincon und will alles mögliche von uns wissen. Suppe vorneweg und Kuchen zum Nachtisch gibt es gratis.

Montag, 21. Mai 2012

Tralafiti in Bonaire

Sonntag, 20. Mai 2012, Bonaire, Wiedersehen mit Tralafiti
Der Tag beginnt mit selbstgebackenem Brot zum Frühstück, dazu Spiegeleier. Im Vergleich zu dem Puerto Ricanischen Weichbrot ist das mal ein echter Genuss. Da hinter uns in der zweiten Reihe eine Mooring freigerworden ist, verlegen wir anschließend unseren Liegeplatz um 100 m seewärts. Hier ist das Wasser tiefer und das Risiko geringer, dass wir mit dem Kiel auf den Mooringblock knallen.
Gegen Mittag satteln wir das Gummiboot und machen uns auf zum Schnorcheln. Einen genauen Plan, wo es gute Plätze gibt, haben wir nicht. Als wir an der deutschen Yacht Ballerina vorbeikommen, fragen wir mal kurz, ob die uns einen Tip geben können. Wir werden gleich an Bord eingeladen zu roter Grütze mit Vanillesauce, Schiffsbesichtigung und ein nettes Schwätzchen. Gesa und Onno sind aus Leer und wir haben reichlich gemeinsame Bekannte, wie z.B. die Fair Isle und die Nautica. Nach einer Stunde machen wir uns auf zum Schnorcheln. Das Wasser ist zwar sehr klar und wir sehen auch einige schöne Fische, aber hier im Lee der Insel gibt es kaum Korallen. Das war nicht der Höhepunkt. Um 15 Uhr sind wir an Bord zurück. Ich traue meinen Augen kaum, als plötzlich die Tralafiti mit Christel und Frank einläuft. Sie gehen an die Mooring direkt vor uns.
Um 16 Uhr großes Kaffeetrinken bei uns an Bord. Wir haben die Ballerinas und die Tralafitis eingeladen. Beide wollen ihre Boote auch in der Curacao Marine an Land stellen, die Tralafiti vor uns, die Ballerina nach uns. Anschließen fahren wir alle gemeinsam zu Karel's Bar zum Sundowner, der sich ziemlich lange hinzieht und schließlich in ein Abendessen mündet. Das Lokal ist gut, aber meinen Thunfisch, den ich rare bestellt habe, bekomme ich als durchgebratene Schuhsole. Die Reklamation wird aber anstandslos ankzeptiert und ich bekomme eine neue Portion. Frank und Christel kennen die Ballerinas schon und sind in Begleitung von zwei anderen deutschen Schiffen von Grenada hierher gekommen. Also lernen wir nun auch Oliver von der Mariposa (Amel Maramu) und Conny und Wolfgang von der Felice kennen. Wir sind somit eine große Runde auf der schönen Terrasse von Karel's direkt über dem Wasser. Es ist schön, wieder unter Cruisern zu sein nach dem Diaspora-Dasein (unter Motorbootfahrern) in Puerto Rico.
 
 020a frisches brot
Das Backen in der Omnia Form geht problemlos und energiesparend. Das Brot schmeckt klasse. Diese Backform gab es schon vor 40 Jahren in derselben Form. Schon damals bei Hansi an Bord war der Deckel rot emailliert
020b tralafiti vor uns
Große und unerwartete Wiedersehensfreude. Die Tralafiti hat sich entgegen ursprünglicher Planung entschlossen, wieder in Curacao an Land zu gehen. Nun liegen sie unmittelbar vor uns an der Mooring.
020c gesa und onno
Gesa und Onno von der Ballerina (Baltic 51) rauschen an zum Kaffeeklatsch
020d gesa onno christel frank
Gemütliche Kaffeerunde auf der Gipsy IIII
020e oliver conny christel frank wolfgang onno gesa lisa
Zum Sundowner bei Karel’s gesellen sich auch noch Oliver (1.v.l.), Conny (2.v.l.) und Wolfgang (5.v.l.) hinzu. Die Tralafiti, Felice und Mariposa sind heute von den Las Aves Inseln gekommen.

Sonntag, 20. Mai 2012

Von Palominos nach Bonaire

Mittwoch, 16. Mai 2012, von Palominos nach Bonaire, Tag 1

Raus aus den Federn um sieben, Aufruch wie geplant um 9 Uhr. Die erste Stunde unterwegs haben wir noch schönes Wetter, doch dann kriegen wir schon den ersten Squall mit Regen und bis zu 26 Knoten Wind um die Ohren. Danach kommt eine kurze Flaute im Windschatten von Vieques und dann haut es uns den nächsten Squall aufs Dach, diesmal mit noch mehr Regen, dafür nicht ganz so viel Wind.

Wir sind mit ständigem Ein- und Ausreffen beschäftigt, bevor sich das Wetter nachmittags um drei halbwegs stabilisiert. Eineinhalb Meter Wellenhöhe, 13 Knoten Wind aus Ost. Wir fahren Vollzeug. Gegen Abend frischt der Wind etwas auf und wir nehmen das Groß weg. Bis zum Einbruch der Dämmerung steuert die Hydrovane. Als Lisa um 19 Uhr die Wache übernimmt, stellen wir um auf Autopilot.

Nachmittags wird Lisa leicht mulmig, als sie unter Deck geht und sie kommt schnell wieder nach oben. Den Wachrhytmus passen wir ihren Bedürfnissen an. Ich haue mich um 19 Uhr in die Koje, melde mich um 22 Uhr mal kurz an Deck, aber Lisa möchte noch draußen bleiben. Also schlafe ich noch einmal bis halb eins. Dann ist Wachwechsel. Im Laufe von Lisas Wache hat der Wind auf 20 Knoten zugenommen. Es steht noch die volle Genua und wir laufen 7 Knoten. Der Windgenerator kann den kompletten Strombedarf decken.

Zu meinem Wachantritt stelle ich fest, dass der Echomax offenbar ein Radarsignal empfängt. Das AIS zeigt aber nichts an und sehen können wir auch nichts. Erst eine gute halbe Stunde später "schreit" der AIS-Alarm, als das riesige Schiff mit Namen Panormos (den Namen, Kurs und Fahrt gibt das AIS bekannt) noch 8 Meilen entfernt ist. An Deck sind jetzt auch die beiden Dampferlichter zu sehen. Der Tanker oder Containerfrachter kreuzt unseren Bug 1,9 sm voraus und hat die dichteste Annäherung mit 1,0 sm Abstand an Bb. Die Lichter stehen nun so weit auseinander, dass man das Gefühl hat, das Schiff sei zum Greifen nahe.

 

016a kajak treibt

Zwischen Vieques und Puerto Rico treibt dieses Kajak. Hätten wir eines gebrauchen können, wäre das unsere Gelegenheit gewesen …

 

 

Donnerstag, 17. Mai 2012, von Palominos nach Bonaire, Tag 2

Die Nacht ist überwiegend sternenklar. Nur in der ersten Nachthälfte gibt es ein paar Blitze nördlich von uns. Gegen 4 Uhr geht die nur noch kleine Mondsichel auf, ab 5 Uhr zeigt sich der erste Dämmerungsschein im Osten. Nachdem Lisa die erste Nachthälfte an Deck verbracht hat, lasse ich sie ausschlafen, bis sie um 8 von selbst wach wird.

Der Tag bringt sonniges Wetter mit konstantem Wind aus 100 Grad und 17 Knoten, also Windstärke 5. Unsere Durchschnittsgewindigkeit von 6 Knoten über Grund entspricht genau der Planung und wir ändern den ganzen Tag über nichts an der Segelführung. Die volle Genua zieht uns durch die Karibik. Da der relative Wind meistens mit 60 Grad von Bb einfällt, kommen auch die nun 2 Meter hohen Wellen leicht vorlich, so dass wir einige ordentliche Spritzer Salzwasser abbekommen. Dummerweise gibt es auch eine leicht Leckage am vorderen Bb-Fenster, fast direkt über dem Laptop. Durch die an Deck kommende Gischt tropft es leicht. Mit einem Stück Küchentuch darunter lässt sich der Schaden aber minimieren.

Um 12 Uhr fallen wir 20 Grad ab und steuern nun 200 rechtweisend. Das Mittagessen liegt mir etwas im Magen. Ich hätte keine ganze Zwiebel in den griechischen Salat schnippeln sollen. Am Abend, Lisa hat wieder die Wache von 18 bis 24 Uhr, nimmt der Wind zu auf 20 Knoten, wie vorhergesagt. Auch das geht noch mit ungereffter Genua. Gegen 20 Uhr kreuzt ein großes Handelsschiff unser Kielwasser in 4 sm Abstand.

 

 

Freitag, 18. Mai 2012, von Palominos nach Bonaire, Tag 3

Die Nacht ist meistens sternenklar. Das tolle ist, dass auch im Wasser Millionen von Sternen funkeln. Unser Kielwasser und die Verwirbelungen, die das Ruder hinterlässt, leuchten. Obwohl es wegen des Neumonds ziemlich dunkel ist, kann man den Strudel bestimmt 2 Meter tief sehen und an der Oberfläche gibt es einzelne kleine Lichtpünktchen, die wie Kristalle auf dem Meer tanzen. Der Effekt ist fast so stark wie in der bioluminiszierenden Bucht auf Vieques, in der wir mit den Kajaks unterwegs waren.

Der Tag ist wunderbar. Ungetrübter Sonnenschein, konstanter Wind mit 17 bs 19 Knoten. Mittags um 12 haben wir unsere Luvposition erreicht und können 30 Grad abfallen. Jetzt wird es angenehmer, Wind und Wellen kommt nun etwas achterlicher als querab. Lisa hat ihre (leichte) Seekrankheit überwunden und kann sich nun auch unter Deck aufhalten und sogar lesen. Am Nachmittag hauen wir die Angelschnur über Bord. Als wir sie nach drei Stunden wieder einnehmen, hat sich die Leine aber um den Köder verwickelt und hoffnungslos darin verdrallt. Es hängt ein ganzes Spiralknäuel an den beiden Haken. Durch die starke Drehbewegung hat es die Schnur auf der gesamten Länge gedrallt. Kein Wunder, dass kein Fisch angebissen hat.

Im Laufe des Tages sehen wir 2 Handelsschiffe, in der ersten Nachthälfte noch einmal zwei weitere, die unseren Kurs, allerdings mit einigen Meilen Abstand, kreuzen. Während Lisas Wache am Abend nimmt der Wind zu, nun allerdings stärker, als prognostiziert. Ich reffe die Genua etwas. Aus den angesagten 22 Knoten werden 25, in der Spitze sogar 32. Nun bin ich froh, dass die Strategie richtig war und wir zunächst so weit südlich gefahren sind und Luv gemacht haben. Mit einem relativen Windeinfall von 115 Grad lassen sich auch solche Böen abwettern. Mit Beginn meiner Wache um 1 Uhr reffe ich ein weiteres mal. Um Mitternacht sind wir noch 65 Meilen von unserem Ziel entfernt.

 

018a tuedel am koeder

Da kann natürlich kein Fisch anbeißen. Und entwirren will ich das auch nicht. Die Angelschnur wird ca. 30 Meter kürzer

 

 

Samstag, 19. Mai 2012, Ankunft in Bonair

Die zweite Nachthälfte hat es in sich: Windgeschwindigkeit im Schnitt 25 Knoten, im Maximum 35. Wellenhöhe 3 m. Durchschnittsgeschwindigkeit über Grund 7 kn. Manchmal dreht es das Schiff so stark nach Luv, dass sehr viel Gischt ins Cockpit weht. Als ich einmal in Lee unter der Sprayhood sitze, schmiert das Heck so stark in ein Wellental weg, dass grünes Wasser aus Lee über den Süllrand kommt.

Bonaire kommt spät in Sicht. Um 06.08 Uhr sehe ich den ersten Landstreifen als der Abstand nur noch 5,7 Seemeilen beträgt. Wir passieren die Insel auf der Windseite, also im Osten, damit wir dann mit dem Wind im Lee von Bonaire den Ankerplatz ansteuern können. Den Wegpunkt, den ich vor 3 Tagen an die Südspitze von Bonaire gesetzt und mit Samstag, 8 Uhr, beschriftet hatte, passieren wir um 07.30 Uhr. Mit der Planung bin ich zufrieden.

Um 09.30 sind wir an einer Mooring vor Kralendijk, der Hauptstadt von Bonaire. 450 Seemeilen liegen hinter uns, für die wir genau 3 Tage benötigt haben. Das Wasser, auf dem wir liegen, ist glasklar, auch wenn es nicht tief ist. Wir liegen dicht vor der Uferpromenade und haben gerade mal einen Meter unterm Kiel. Die zweite Bojen, etwas weiter weg vom Land, ist leider belegt. Ankern darf man in oder vor Bonaire gar nicht, und zwar aus Naturschutzgründen. Wir haben einiges zu tun. Salzwasser vom Edelstahl waschen, die Hydrovane verstauen, dann das Dinghy auspacken, aufblasen, zu Wasser lassen, Motor montieren, usw.

Dann geht es zum Customs office zum Einklarieren. Problemlos und kostenfrei, die Immigration sitzt praktischerweise auch gleich im selben Büro. Anschließend wandern wir die Uferpromenade entlang. Auf den ersten Blick sieht man, dass diese Insel zu den Entwickelten gehört. Gute Straßen, ordentliche Gebäude, nette Geschäfte. Wir landen in einer schicken Eisdiele und essen eine gewaltige Portion. Als wir danach das Dinghy besteigen, das wir an der Zoll-Pier gelassen hatten, fällt Lisa mit einem filmreifen Vorwärtssalto über Bord. Ihre Handtasche hatte sie mir glücklicherweise schon vorher ins Boot gegeben. Aller Anfang ist schwer. Am Abend bleiben wir an Bord. Lisa kocht was leckeres und backt anschließend das erste Brot fürs morgige Frühstück.

 

 019a hydro im gegenlicht

Kurz nach Sonnenaufgang. Bei Backstagsbrise und bis zu 3 m Wellenhöhe legt es unser Boot manchmal ganz schön auf die Seite

019d gereffte genua

Halb Acht Uhr morgens, kurz vor Umrundung der Südspitze von Bonaire

019e lacre punt hinter welle

Lacre Punt Leuchtturm an der Südspitze von Bonaire

019f 32 knoten wind

Wahrer Wind hier sogar kurz einmal bei 32 Knoten. Es pfeift ganz schön

019g westseite v bonaire

Im Lee von Bonaire die ersten Häuser von Kralendijk, der Hauptstadt

 

019h gipsy vor kralendijk

Wir liegen an einer Mooring dicht vorm Strand auf 3,5 m Wassertiefe

019i schiff im haus

Eines der vielen Restaurants in Kralendijk

019j beach vor kralendijk

Die Beachfront vor Kralendijk. Die Boote liegen dicht am Ufer. Das Wasser wird schnell sehr tief

019k bunte haueser

Auch hier geht es wieder einmal karibisch bunt zu. Einkaufsstraße in Kralendijk

Mittwoch, 16. Mai 2012

Törnvorbereitung mit neuer Crew

Sonntag, 13. Mai 2012, Sunbay Marina, neues Crew Mitglied Lisa

Heute ist Haushaltstag. Waschen, staubsaugen, putzen. Soll ja alles halbwegs ordentlich aussehen, wenn das neue Crewmitglied ankommt.

Um 16 Uhr hole ich den Leihwagen, dann mache ich mich auf Richtung San Juan. Da auch hier in Puerto Rico Muttertag gefeiert wird, sind die Straßen ganz schön voll. Offenbar werden die Mamis großzügig über die Insel chauffiert. Zwei Kilometer vor dem Flughafen stehe ich eine halbe Stunde im Stau, bin aber trotzdem rechtzeitig da. Der Flieger von Lisa ist pünktlich, aber ihr Gepäck kommt nicht an. Glücklicherweise wissen die netten Ladies in der Baggage Claim Halle, dass die Tasche im nächsten Flieger mitkommt. Ob wir warten wollen oder ob sie am nächsten Tag nach Fajardo gebracht werden soll? Wir entscheiden uns für warten, denn es geht nur um 75 Minuten, die wir in einem Flughafenrestaurant verbringen. Der Rückweg verläuft plangemäß. Um halb zehn sind wir an Bord und essen noch eine Kleinigkeit. Der Zapfenstreich um 23 Uhr entspricht für Lisa immerhin 5 Uhr morgens. Grund genug, müde zu sein.

 

 

Montag, 14. Mai 2012, Sunbay Marina, Großeinkauf und ausklarieren

Wir sind schon vor 7 Uhr auf den Beinen, frühstücken an Bord und machen uns dann mit dem Leihwagen auf zum Econo, dem großen Supermarkt im Einkaufszentrum an der Hauptstraße. Wir füllen zwei Einkaufswagen. Das anschließende Verstauen an Bord dauert genau so lange wie der Shopping Trip.

Nachmittags klarieren wir im Customs Office am Fähranleger aus. Um zur Zollbeamtin zu gelangen, müssen wir durch eine Metalldetektorschleuse wie am Flughafen. Die Zoll-Dame ist trotzdem noch hinter Gittern verbarrikadiert. Die Prozedur ist einfach. Ein kleiner Zettel muss ausgefüllt werden, unsere Pässe will niemand sehen. Wir bekommen eine abgestempelte Kopie und können wieder abziehen. Nachdem wir den Wagen zurückgebracht haben, schaue ich bei Ian vorbei, während Lisa im Cockpit relaxed. Später gehen wir dann gemeinsam zum Restaurant Pasion por el fogon, wo wir einen hervorragenden Grouper in Scampiscauce und einen ebensoguten Chardonnay bekommen. Außerdem werden wir von Miss Puerto Rico bedient (jedenfalls sieht Karolee so aus und ist auch sonst eine perfekte Servicekraft). Um halb neun sind wir an Bord zurück.

 

 

Dienstag, 15. Mai 2012, von Sunbay Marina nach Palominos

Gleich in der Früh, als ich die Persenning von der Hydrovane erstmals seit dem Anlandstellen in Grenada wieder abnehme, stelle ich fest, dass die ganze Steuerungstechnik um 10 oder 14 Grad verdreht ist. So kann man damit nicht fahren. Wahrscheinlich hat jemand in der Grenada Marine versehentlich mit einem schweren Gegenstand dagegengeschlagen, z.B. mit den massiven Holzleitern, die sie dort verwenden. Es dauert eine halbe Stunde, bis ich das wieder "geradegebogen" habe.

Frühstücken, in der Marina abmelden und die letzten 5 Tage bezahlen, dann geht es los. Vorher noch Verabschiedung von Varny und Gregg, sowie von Ian, der uns die Leinen loswirft. Abschiede fallen immer wieder schwer.

Unter Maschine die 4 Meilen nach Palominos, es liegt nur ein Katamaran im Mooringfeld. Schönes Wetter, leichter Ostwind mit 10 Knoten, viel Sonne. Wir gehen an gleiche Boje, an der wir das erste mal, als wir hier waren, auch gehangen haben. Dann folgt ein Arbeitsprogramm. Der Wassermacher soll wieder aktiviert werden, d.h. erstmal muss die Luft aus dem System, dann eine halbe Stunde, bis die Biozidlösung ausgespült ist. In Folge läuft der Frischwassererzeuger dann 2,5 Stunden und macht 130 Liter Wasser. Nun ist der Mittschiffstank auch wieder voll. Eine Stunde lassse ich die Maschine mitlaufen, damit die Batterien nicht so stark entladen werden.

Parallel Einweisung von Lisa in alle Details des Schiffes. Unter Deck wird ihr kurz mal mulmig und wir müssen unterbrechen. Sie hat deshalb schon heute mittag damit begonnen, Pericephal zu nehmen, um ein Niveau aufzubauen. Hofffen wir, dass ihr die Übelkeit erspart bleibt. Es geht weiter mit Lifelines spannen, Schlauchboot unter Deck in der Dusche verstauen, anschließend noch eine Runde Schiff schrubben von unten. In den 5 Wochen Marina hat sich doch ein schmieriger Algenfilm angesetzt, der aber noch gut zu entfernen ist. Auch ein paar Seepocken steche ich ab.

Schöner Sonnenuntergang mit wenig Wind, jedenfalsl bis kurz davor. Den wirklichen Abschied der Sonne verpassen wir wegen eines Schauers.

Morgen früh um 9 wollen wir Richtung Bonaire starten. Laut Gribfiles werden wir am ersten Tag Ostwind mit 12 bis 15 Knoten haben, auf den letzten 100 Meilen vor Bonaire und Curacao müssen wir aber mit stärkerem Wind, angesagt sind 25 Knoten (d.h. in den Böen können es auch mal 35 sein), aus Ost-Süd-Ost rechnen. Wahrscheinlich werden wir deshalb zunächst südlich segeln, um dann später den stärkeren Wind etwas raumer zu haben.

 

 015a ian vor misty blue

Ian wirft unsere Leinen los. Hier steht er zum Abschiedsgruß vor seiner Misty Blue

015b indi in sunbay

Ein paar Meter weiter passieren wir die Indi

015c lisa im cockpit

Lisas erster Schlag auf der Gipsy IIII