Montag, 17. August 2015

Chessie, die siebte

Sonntag, 16. August 2015, Port Vila, Vanuatu. Yoga, Gardinenstangen, Chessie

Yoga heute mal nach dem Frühstück. Geht auch. Immerhin ist es trocken und der Wind nicht zu stark. Am Nachmittag nehmen wir uns die Gardinen vor. Erstens müssen diese mal wieder in die Wäsche und zweitens brauchen die Edelstahlstangen dringend eine Entrostung, was nur noch mit feinem Schleifpapier zu bewerkstelligen ist. Dazu müssen sie abgeschraubt werden. Nach zwei Stunden sind wir mit dem Job durch. Ansonsten gemütlicher Sonntag mit Lesen an Deck.

Am Nachmittag fahren wir an Land und machen einen kleinen Spaziergang durch die Stadt, in der allerdings auch Sonntagsruhe herrscht. Wir holen unser ausgefallenes Dinner von gestern im Waterfront nach und als wir gerade mit unserem Seafood Chowder im Brotteig fertig sind, sehen wir im letzten Dämmerlicht eine Ketsch einlaufen. Die Kuchenbude mit den großen Scheiben kommt mir gleich bekannt vor und als Christine die deutsche Flagge erkennt ist uns definitv klar, dass da die Chessie einläuft. Wir bezahlen, setzen uns ins Dinghy und fahren zu ihnen rüber, gerade, als sie mit dem Vertäuen an der Mooring fertig sind. Wir wollen gar nicht stören, können uns aber dem Drängen von Jutta und Jochen, doch auf einen Drink an Bord zu kommen, nicht widersetzen und schwupps, sitzen wir im Cockpit und haben ein Glas Wein vor der Nase. Heute im Laufe des Tages war mir direkt einmal bewusst geworden, dass wir hier nun ein paar Tage verbringen werden, ohne dass wir Bekannte um uns herum haben. Das hat gerade mal einen Tag gedauert, denn die Chessies treffen wir sicher bereits zum siebten Mal nach Grenada, Tahaa, Bora Bora, Denarau, Blue Lagoon und Neuseeland. Falls Christine wegen ihrer Ferse weitere medizinische Beratung brauchen sollte, so hätten wir jetzt sogar wieder eine deutsche Ärztin in der Nähe.

Montag, 17. August 2015, Port Vila, Vanuatu. Ersatzteilbeschaffung gestaltet sich als schwierig. Wir nähen das Dinghy-Cover nach und installieren die Gardinen wieder.

Morgens bringen wir mal wieder unsere Wäsche in die Wäscherei, inclusive der Fenstervorhänge. Anschließend erledigen wir ein paar Dinge in der Stadt, insbesondere kaufen wir einiges Verbandsmaterial und Antibiotika für unsere Bordapotheke nach, wofür wir eine Stange Geld loswerden. Die Apotheke hat gerade neu eröffnet, und wird von einem Weißen aus Französisch-Polynesien betrieben, der zuletzt eine Apotheke auf den Toamotus hatte. Wie er erzählt, hat er vor zwei Jahren seinen Laden verkauft, dann aber festgestellt, dass das Leben ohne eine Aufgabe zu langweilig ist. Wir unterhalten uns u.a. über Fakarava und die vielen Haie, die es dort gibt.

Zwischenzeitig bekomme ich eine email-Antwort auf meine Anfrage in Neuseeland bezüglich des Druckausgleichstanks für das Süßwassersystem an Bord (weil unser durchgerostet ist und leckt). Also geht Christine shoppen und ich setze mich in unser Lieblingscafé, bestelle einen Cappuccino und tippe auf dem iPhone meine Antwort an den online-Shop. Alles nicht so einfach, wie es zunächst aussieht. Das Ding ist gar nicht am Lager und ob sie per FedEx oder DHL shippen können, muss auch erst eruiert werden. Wir haben nämlich in Erfahrung gebracht, dass wir andere Spediteure, wie z.B. die neueseeländische Post, gar nicht erst in Erwägung ziehen sollten, wenn wir denn wünschen, dass unsere Bestellung auch hier ankommt.

Wieder an Bord setze ich mich dann hin, und versuche, mögliche Lieferanten in Australien zu finden. Es gibt tatsächlich 3, die ich alle anschreibe. Die Preisunterschiede betragen für denselben Artikel bis zu 100 Prozent. Macht doch einen Unterschied, ob man 100 oder 200 Euro bezahlen muss. Aber den Luxus, den günstigsten Preis zu wählen, können wir uns hier nicht leisten. Entscheidend ist: Wer kann liefern, und wann. Einer der Shops liefert nur in Australien, ein anderer hat lange Lieferzeiten. Vom dritten habe ich heute noch keine Antwort bekommen. Hoffentlich können wir morgen Nägel mit Köpfen machen.

Nach dem Mittagessen nehmen wir die Schutzdecke vom Dinghy ab, um die aufgerissenen Nähte nachzunähen. Wir müssen mehrmals die Spule neu befüllen, denn es sind einige Meter, die wir da machen müssen. Und das Material ist ziemlich sperrig und unhandlich. Nach zwei Stunden ist der Job erledigt. Als nächstes dann vor vier die Wäsche abholen. Bis die Gardinen nebst –stangen wieder an Ort und Stelle sind, ist die nächste Stunde rum. Zeit für den Sundowner, zu dem wir zum Waterfront Restaurant fahren, wo wir die Chessies treffen. Allerdings nur für einen kurzen Drink, dann treibt uns der Hunger wieder nach Hause.

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Der Faden, mit dem das Dinghy-Cover genäht wurde, ist offenbar nicht UV-fest, und deshalb gehen überall die Nähte auf. Bis wir alles nachgenäht haben, sind zwei Sunden rum

Samstag, 15. August 2015

Back to Port Vila

Samstag, 15. August 2015, von Mele Island zurück nach Port Vila, 6 sm.

Die Nacht war doch etwas schaukeliger, als es gestern zunächst den Anschein hatte. Deshalb beschließen wir, nicht länger zu bleiben und wieder nach Port Vila zurückzufahren, wo wir ruhig und geschützt liegen und uns leicht mit allem versorgen können, was wir brauchen. Unsere frischen Lebensmittel sind zwischenzeitlich auch komplett verbraucht.

Wir fahren um kurz nach neun los. Da wir den Wind auf die Nase haben, machen wir alles unter Maschine und gehen in Port Vila zunächst mal ans Fuel Dock, um den Dieseltank vollzumachen. Die ersten 15 Liter lassen wir durch einen Filter laufen, was fast 10 Minuten dauert. Dann schauen wir uns mal an, ob das wirklich nötig ist und stellen fest, dass keinerlei Rückstände im Filter schwimmen, der Kraftstoff also glasklar ist. Die nächsten 118 Liter gehen dann entsprechend schneller, so dass wir bald wieder ablegen können und um 1120 an Mooring 13 der Yachting World liegen. Wir sind überrascht, wie viele Bojen hier jetzt zur Hochsaison noch frei sind. Die Chefin der Marina bestätigt, dass in diesem Jahr das Geschäft tatsächlich schlechter läuft, als in den vergangenen Jahren. Wir können uns das nur so erklären, dass die Berichterstattung rund um den Zyklon Pam einige Yachties davon abgehalten hat, diese schöne Inselwelt mit ihren einmaligen Sehenswürdigkeiten und kulturellen Besonderheiten anzulaufen. Sicher aus zwei Gründen eine falsche Entscheidung: Erstens verpassen sie was und zweitens würden sie mit ihrem Besuch hier den Menschen etwas Geschäft und Einkommen bescheren.

Christines Entzündung an der Ferse sieht immer noch schlimm aus, hat sich aber nicht weiter verschlechtert, was schon mal ein gutes Zeichen ist. Da sie nicht viel gehen sollte, fahre ich am Nachmittag kurz allein in die Stadt, um Internet-Guthaben für die Digicel-SIM nachzukaufen und etwas Obst und Joghurt zu holen. Zum Sundowner (den man eigentlich nicht so nennen kann, denn von Sonne ist den ganzen lieben Tag lang nichts zu sehen) wollten wir ursprünglich an Land fahren und dabei auch gleich im Waterfront unser Abendessen einnehmen. Aber um kurz vor fünf fängt es an zu regnen und da wir keine Verabredung und auch keine Lust haben, uns wegen der kühlen Temperaturen warm anzuziehen, bleiben wir lieber gemütlich an Bord.

Port Vila wird nun die letzte Station unserer Vanuatu-Kreuzerei sein. Ab jetzt warten wir auf ein geeignetes Wetterfenster für die 325 Meilen nach Noumea, Neu-Kaledonien. Wir hätten gerne einen Wind aus Ost, auch etwas nördlicher als Ost, aber nicht südlicher. Und den brauchen wir für mindestens 2 Tage. So eine Konstellation ist aber nach aktuellem Wetterbericht die ganze nächste Woche nicht in Sicht und so werden wir noch etwas die Hauptstadt genießen.

Außerdem wird die to-do-Liste immer länger, so dass es auch deswegen schon nicht langweilig werden wird. Zu den offenen Punkten: Ankerlaterne im Masttop wieder zum Leuchten bringen, Dinghycover nachnähen und anderer Kleinkram, ist heute noch ein gravierendes Problem aufgetaucht, dass einer Reparatur bedarf. Der Druckausgleichstank unseres Süßwassersystems, der dafür sorgt, dass die Wasserpumpe nicht ständig anspringen muss, wenn man einen Wasserhahn an Bord aufmacht, ist am Boden durchgerostet. Noch rinnt es nur tröpfchenweise, aber bis daraus ein Strahl wird, ist sicher nur noch eine Sache von Tagen. Ich glaube nicht, dass man das Ding flicken kann. Schließlich steht immer ein ordentlicher Wasserdruck im Behälter. Wie so oft an Bord, ist das Teil auch noch an einer so unzugänglichen Stelle eingebaut, dass man furchtbar schlecht drankommt. Am Montag müssen wir klären, ob wir so ein Teil aus Neuseeland oder Australien ranschaffen können, und wie lange das gegebenenfalls dauert.

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Eine neue Baustelle: Der Druckausgleichstank des Süßwassersystems ist durchgerostet. Noch tröpfelt es nur ganz langsam, aber das kann schnell schlimmer werden. Wohl nicht zu reparieren. Jetzt müssen wir schauen, ob wir schnell Ersatz aus Australien oder Neuseeland beschaffen können. Wenn es blöd kommt, müssen wir die Wasserpumpe abstellen. Das heißt dann: Kein Wasser mehr aus den Wasserhähnen und den Tanks, sondern nur noch aus dem Kanister. Wäre schon saublöd.

Freitag, 14. August 2015

Devil’s Point

Freitag, 14. August 2015, von Havannah Harbour nach Mele Island, 21 sm. Wir runden Devil’s Point ohne Probleme

Um 7 Uhr ist der Anker an Deck und wir verlassen, diesmal ohne Begleitung, die Matapu Bay. Nur unter der Kutterfock bewegen wir uns langsam im Lee von Efate bis zur Südwestecke der Hauptinsel Vanuatus. Ich möchte etwa eine Stunde vor Niedrigwasser am Devil’s Point sein, damit wir einen leichten Mitstrom haben, der uns hilft, gegen Wind und Wellen anzumotoren, der aber nicht so stark ist, dass die Seen zu steil und hoch werden.

Das Konzept geht auf. Wir haben 15 Knoten Wind auf die Nase und eine etwa 1 Meter hohe, ziemlich kurze und steile Welle gegenan. Der Strom zieht uns mit einem halben Knoten. Die 1500 Umdrehungen des Volvo, die uns bei Flaute mit 5 Knoten schieben, reichen jetzt gerade für eine Fahrt durchs Wasser von 2,5 bis 3,5 Knoten aus, manchmal geht die Fahrt auch auf 1,5 Knoten runter. Dadurch, dass wir so langsam sind, setzen wir nicht besonders hart in die Wellen ein. Nach einer Stunde ist das kritische Stück geschafft und wir können abfallen und wieder Segel setzen. Bei 20 Knoten Wind, wie er in der nächsten Woche zu erwarten ist, möchte ich diese Strecke aber nicht fahren.

Mittags ankern wir in der großen Bucht von Port Vila hinter der kleinen Urlaubsinsel Mele, 5 Meilen von der Hauptstadt entfernt. Nach dem Mittagessen beschäftigen wir uns mit etwas Administration und anschließend nehme ich mir das Cover des Dinghies vor, um den Gummizug, der verhindern soll, dass die Persenning wegfliegt, gegen eine 4 mm Flaggenleine auszutauschen. Um diese besser am Dinghy befestigen zu können, bringe ich zwei Edelstahlaugen am Alu-Heck an. In nächster Zukunft muss das ganze Cover außerdem unter die Nähmaschine, denn einige der Nähte, die vermutlich mit stinknormalem, nicht UV-festem Garn genäht sind, haben sich schon aufgelöst. Die Abdeckung war zwar nicht teuer, aber sie ist auch nicht schön, und haltbar offenbar auch nicht. Typischer Fall von Fehleinschätzung der Qualität einer Dienstleistung. Am besten, man macht alles selber.

Devils Point 

Der zweite Teil unserer heutigen Etappe mit Devil’s Point und dem Ankerplatz hinter Mele Island

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Auf der Mini-Ferieninsel Mele ist zumindest am Abend ordentlich was los. Jedenfalls werden wir kräftig beschallt und mit den Sprüchen des DJs beglückt

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Kleines Arbeitsprogramm am Nachmittag. Wo das Dinghy noch so schön auf dem Vorschiff liegt, mache ich mich endlich mal daran, den Gummizug gegen eine Flaggenleine auszutauschen, damit sich das Cover nicht immer so schnell abhebt von den Wülsten abhebt. Dafür müssen auch zwei Augen ans Heck geschraubt werden.

Donnerstag, 13. August 2015

Zurück in Efate

Donnerstag, 13. August 2015, von Epi (Revolieu Bay) nach Efate (Port Havannah, Matapu Bay), 56 sm

Als wir um 3 Uhr den Anker an Deck winschen, ist es stockdunkel. Die letzte dünne Mondsichel vor Neumond geht erst kurz vor dem Morgengrauen auf und außerdem sind die Wolken so dicht, dass nicht mal ein Stern hindurchblinzelt. Aber die Ausfahrt aus der Bucht ist simpel und so sind wir flott unterwegs. Die Hana Iti folgt uns auf dem Fuße. Nach einer Stunde unter Maschine kommt Wind auf und wir können segeln. Es bläst mit 19 Knoten und wir fahren unter Kutterfock und gerefftem Groß einen Am-Wind-Kurs. Um 5 Uhr, als im Osten ein erstes Grau zwischen den Wolken die langsam beginnende Dämmerung ankündigt, können wir immer noch die beiden roten Lichtscheine der Vulkane über Ambrym erkennen, wenn auch nur noch ziemlich schwach, sind sie doch mittlerweile 80 Kilometer entfernt.

Die Freude an der guten Sicht und den rauchenden Vulkanen währt nicht lange, denn 20 Minuten später kriegen wir einen Squall übergebraten, der sich gewaschen hat. In der Spitze pfeift es mit fast 30 Knoten, durchschnittlich mit etwa 25, und das für eine geschlagene Stunde lang. Während so etwas downwind kein Thema ist, muss man auf einem Am-Wind-Kurs schnell reagieren und reffen. Also verkleinern wir zunächst das Großsegel noch weiter und drehen dann auch ein Reff in die Kutterfock. Wir fahren trotzdem noch acht, kurzfristig sogar mal neun Knoten. Die kurze Anderthalb-Meter-Welle, vor der wir Respekt gehabt hatten, erweist sich interessanterweise nicht als Problem, weil wir sie doch in einem recht spitzen Winkel anlaufen und das Schiff deshalb nur sehr selten hart einsetzt und nur hin und wieder mal Gischt ins Cockpit weht. Nach dem Hack kehrt Flaute ein, für etwa eine Viertelstunde. Der Kahn taumelt, weil der Druck im Segel fehlt. Dann geht es wieder los: Squall Nummer zwei. Aber wir haben Glück und bleiben zumindest vom Regen verschont. Auch die Winddrehungen in den Böen meinen es gut mit uns, denn der Wind dreht rück, verschafft uns also etwas zusätzliches Luv auf unserem Südkurs, so dass wir mit einem Schlag, ohne Wende ans Ziel kommen.

Wir sind deutlich schneller unterwegs, als geplant und können drei Meilen vor der Einfahrt nach Havannah Harbour sogar noch auf die Genua umsatteln. Während der Schwachwindphasen überlegen wir, ob wir nicht heute gleich noch etwa 15 Meilen mehr machen und bis Port Vila durchsegeln sollen, denn ein leichter Wind würde die Rundung des berüchtigten Devils Point, wo es starke Strömungen, heftigen Wind (Eckeneffekt) und steile Wellen (Wind gegen Strom)gibt, begünstigen. Wir sehen dann aber doch davon ab, hauptsächlich deshalb, weil sich die Entzündung an Christines linkem Fußknöchel mit einer affenartigen Geschwindigkeit zu einer immer bösartiger ausschauenden Infektion entwickelt und wir doch gerne den Onkel Doktor einen Blick drauf werfen lassen würden. Didier und Marie-Luce wollen aber nach Port Havannah, um dort Freunde eines französischen Bootes zu treffen, die sie zuletzt vor 5 Jahren in Brasilien gesehen hatten.

Um 1245 fällt unser Anker also wieder in dem großen (fast-) Binnengewässer Port Havannah und dort in der Bucht Matapu. Etwas später wird Didier freundlicherweise von Heidi und Nicolas (Fleur de Sel), die schon seit gestern hier liegen, zu uns an Bord gebracht, so dass wir unser Dinghy gar nicht vom Vorschiff herunternehmen müssen. Es gibt eine ausführliche Gratis-Konsultation, an deren Ende die Patientin krankgeschrieben wird und strengstes Bade- und Tanzverbot erhält. Antibiotika werden eingeworfen und ein dicker Verband draufgepackt. Wir hoffen, dass sich die Entzündung damit schnell wieder in den Griff kriegen lässt.

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Sonnenaufgang hinter den Shephard Islands auf dem Weg von Epi nach Efate. Nach einem einstündigen Squall mit 25 Knoten legt sich der Wind gerade für ein paar Minuten schlafen

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Die Westeinfahrt nach Havannah Harbour, einem großen, natürlichen Hafenbecken, in dem es einige nette Ankerplätze gibt,…

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… wie diesen hier, wo wir 200 Meter vorm Strand liegen. Auch hier hat es eine Yacht an Land gespült.

In die Revolieu Bay

Dienstag, 11. August 2015, Lamen Bay, Epi, Vanuatu. Rauchende Vulkane und Sundowner mit Hana Itis

Der gestrige Abend wurde insofern noch interesssant, als in der Dunkelheit plötzlich „Big Sista“ auftauchte (eine Fähre, die zwischen den Inseln pendelt) und sich ihren Weg zwischen den Ankerliegern hindurch zum Strand suchte. Sicherheitshalber beleuchte ich unsere Heckankerleine noch zusätzlich mit einem starken Strahler und die große Schwester hält dann auch genügend Abstand. Etwa eine Stunde lang liegt sie dann dicht vorm Stand vor Anker. Durchs Fernglas beobachte ich das Treiben an Bord. Immer wieder kommen kleine Bötchen ans Heck der Fähre gefahren, um Menschen ein- oder aussteigen zu lassen. Auch Pakete unterschiedlicher Ausmaße wandern hin und her. Immer wieder denke ich, jetzt müssen doch wohl langsam alle Leute an Bord sein, aber dann kommt noch ein Boot. Schließlich ist des dann soweit und „Big Sista“ macht sich wieder auf den Weg.

Obwohl wir zwanzig Meilen von Ambrym entfernt sind, konnte man in der vergangenen Nacht die beiden Vulkane, oder besser gesagt, den hellen, roten Schein, der an den Wolken reflektierte, erkennen. Ein sehr beeindruckendes Bild. Wenn es nicht so umständlich wäre, hätte ich fast noch Kamera und Stativ eingepackt und wäre mit dem Dinghy an Land gefahren, um von dort eine Langzeitbelichtung von diesem schönen Anblick zu machen, was von dem schaukelnden Boot ja leider nicht möglich ist. Aber Aufwand und Ertrag schienen mir dann doch in einem zu schlechten Verhältnis zu stehen, zumal die Dinghy-Landung bei dem Schwell keine einfache Übung gewesen wäre im Dunkeln.

Der Tag heute ist überwiegend sonnig. Der Wind wird stärker und dreht von Süd auf Südost. Der Schwell nimmt etwas ab und so entschließen wir uns, den Heckanker wieder einzunehmen. Also werfen wir die Leine an Bord los (wonach die Gipsy gleich um fast 180 Grad in die andere Richtung schwingt) und fahren mit dem Dinghy über den Anker, um ihn senkrecht nach oben auszubrechen. Das gelingt mir allerdings nicht. Meine Kraft in den Armen reicht dazu nicht aus. Also knote ich die Ankerleine am Heck des Dinghies fest und versuche, das Ding mit Motorkraft auszubrechen. Der Außenborder leistet immerhin 10 PS. Dabei muss ich achtgeben, die Leine nicht in die Schraube zu bekommen, denn diese läuft nur 10 cm daran vorbei. Ich gebe immer mehr Gas, bis das Dinghy hinten fast absäuft. Die Gummiwülste achtern liegen schon fast unter der Wasserlinie. Nach einigen Sekunden ist es geschafft und der Anker schleift hinter uns her. Das Hochholen ist easy, denn der Fortress ist aus Alu und wiegt nur ein paar Kilogramm. Der feine Sand fällt sofort herunter, so dass kein zusätzliches Gewicht anfällt. Immerhin haben wir mit dieser Ankerlösung eine schaukelfreie Nacht gehabt. Bis alles wieder verstaut ist, hat die ganze Aktion sicher eine Stunde gedauert.

Den Tag verbringen wir mit lesen und am Abend hole ich die Hana Itis ab auf einen Sundowner bei uns an Bord. Ein wichtiges Thema in unseren Gesprächen ist die nächste, schwierige Etappe von hier bis Port Vila. Am Donnerstag verspricht der Forecast Wind aus 105 Grad, leider mit 18 Knoten, Wellenhöhe 1,80 m. Keine idealen Bedingungen für einen Kurs von 175 Grad über Grund (bei westsetzendem Strom), den wir steuern müssen. Das wird ein ziemliches Gebolze geben über 50 Meilen und wir können froh sein, wenn wir das in einem Schlag schaffen. Am nächsten Tag dreht der Wind schon weiter auf Südost und wird noch stärker. Wenn wir nicht wochenlang auf bessere Bedingungen warten wollen, werden wir den Ritt wohl am Donnerstag machen müssen.

 

Mittwoch, 12. August 2015, von der Lamen Bay in die Revolieu Bay, Epi, Vanuatu. 10 sm

Eine ruhige und angenehm kühle Nacht liegt hinter uns. Um 8 Uhr haben wir 22 Grad im Schiff. Also hatten wir einen guten Schlaf. Wahrscheinlich konnten wir in dieser Nacht auch letztmalig das wunderschöne, kräftige, rote Leuchten der beiden aktiven Vulkane von Ambrym beobachten, denn heute fahren wir 10 Meilen weiter südlich in die Revolieu Bay, um unseren morgigen Törn, vor dem wir ordentlich Respekt haben, zu verkürzen. Um Halb neun nehmen wir den Anker aus dem Grund und fahren unter Maschine südwärts, an der Küste Epis entlang. Zeitweilig haben wir volle zwei Knoten Gegenstrom, so dass wir bei 5 kn FdW nur 3 über Grund machen. Um 1115 ankern wir auf 8 m Wassertiefe in schwarzem, feinen Sand, nach Südwesten hin durch ein vom Südende der Bucht sich nach Nordwesten erstreckendes Riff, das bei Niedrigwasser trockenfällt, vor dem aus Südosten anrollenden Schwell geschützt.

Am Nachmittag sichten wir noch einmal die aktuellsten Gribfiles und diskutieren den morgigen Am-Wind-Törn nach Efate mit der Hana Iti. Es erwartet uns Windstärke 5 aus 100 Grad und eine 1,80 m hohe Welle, die leider relativ kurz ist, nämlich mit einer Periodendauer von nur 8 Sekunden. Aus diesem Grund will die Afia, die in der Lamen Bay geblieben ist, morgen nicht südwärts segeln, sondern auf das nächste geeignete Wetter warten, was nach derzeitiger Prognose aber mindestens 8 Tage, wenn nicht länger, entfernt ist. In dieser schönen Bucht, in der wir die einzigen Boote sind und an deren Ufer kein einziges Haus und nicht mal ein Auslegerkanu zu sehen ist, liegen wir jedenfalls relativ ruhig. Morgen früh um 3 Uhr wollen wir ankerauf gehen.

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Wie schon vorgestern Abend, läuft heute Morgen wieder die Big Sista in die Lamen Bay ein, parkt ein paar Meter vorm Strand, bringt ihr Beiboot zu Wasser, und wickelt dann Personen- und Warentransfer ab.

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Schöner Sonnenuntergang in der Revolieu Bay, Epi

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Die Hana Iti, 50 Meter hinter uns, und wir sind die einzigen Boote in der Bucht

Montag, 10. August 2015

Am Wind zur Lamen Bay

Montag, 10. August 2015, von Port Sandwich (Malakula) nach Lamen Bay (Epi), 26 sm

Um fünf klingelt der Wecker, um Halb sechs sind wir ankerauf. Es ist noch dunkel, aber es beginnt nun zu dämmern. Eine dünne Mondsichel steht noch am sternenklaren Himmel. Als wir aus Port Sandwich auslaufen, sehen wir vor der aufgehenden, aber noch hinter dem Horizont stehenden, Sonne kräftige Rauchwolken von den beiden Vulkanen auf Ambrym aufsteigen. Ein wunderschönes Bild. Jetzt verstehen wir, dass die Besichtigung der Vulkane zur Zeit ausgesetzt ist. Diese Info hatten wir während des Festivals in Penap von einer jungen australischen Geologin bekommen, die in Port Vila als Volontärin arbeitet. Am Kraterrand wird es wohl zu gefährlich sein.

Der Wind ist wieder einmal anders, als die Vorhersage. Diesmal allerdings zu unseren Gunsten. Statt mit 12 kn aus 155 Grad kommt er mit 13 bis 18 kn aus 180 bis 190 Grad, so dass wir nicht kreuzen brauchen, sondern mit einem Schlag auf Backbordbug über die freie Wasserfläche kommen. Die Sonne scheint und wir segeln zunächst mit gerefftem Groß und Genua, als der Wind zulegt, dann mit der Kutterfock, unter besten Bedingungen. Zwar schlägt das Boot oft in die 1,5 Meter hohen Wellen und die Schiffsbewegungen sind teilweise ziemlich abrupt, aber Christine verträgt das heute erstaunlicherweise relativ gut, obwohl sie keine Seekrankheitspillen eingeworfen hat.

Um 1120 liegen wir vor Anker, in der Nähe der Afia, die gestern schon gekommen ist. Anderthalb Stunden später ankert die Hani Iti neben uns, die zwei Wenden fahren musste, weil die Amel Santorin nicht so hoch an den Wind geht. Die Stimmung wird etwas getrübt, da ziemlich viel Schwell in die Bucht steht und das Boot zeitweise quer zu den anrollenden Wogen zu gewaltigen Taumelbewegungen ansetzt. Wir entschließen uns, den Heckanker auszubringen. Mit dem Dinghy fahre ich den leichten Fortress-Alu-Anker 70 Meter weit aus. In dem weichen Sand fasst er sofort und nun liegen wir schön mit der Nase im Schwell, auch wenn der Wind von der Seite auf die Gipsy bläst.

Schon bei der Ankunft wurden wir von vielen Turtles begrüßt und dann sehen wir auch ein Dugong, etwa 50 Meter neben dem Boot. Die Seekühe bleiben zum Grasen etwa 10 bis 15 Minuten lang unter Wasser und kommen dann für ein paar Atemzüge an die Oberfläche, bevor sie wieder abtauchen und dabei ihre breite, walartige Schwanzflosse zeigen. Ich schnappe mir Flossen und Brille und hüpfe gleich ins Wasser. Die Sicht beträgt etwa 15 Meter und ich schwimme in die Richtung, wo wir das Tier zuletzt gesehen hatten. Nach 20 Minuten gebe ich auf. Leider kein Erfolg. Vom Mast aus müsste man doch einen besseren Überblick haben. Also klettere ich auf die erste Saling und halte Ausschau. Tatsächlich kann ich mehrmals die Seekuh beim Auf- und Abtauchen beobachten, immer etwa 50 Meter von uns entfernt. Also noch mal wieder ins Wasser. Christine kommt auch mit. Aber wieder haben wir Pech und finden das Viech nicht. Dafür komme ich aber sehr nah ein eine Wasserschilkdröte heran, die überhaupt nicht scheu ist und kein Problem damit hat, dass ich sie eine Weile unter Wasser begleite.

Nach einem Sundowner bei einem wunderschönen Sonnenuntergang essen wir zu Abend den Fisch, den wir gestern geschenkt bekommen hatten. Unterhaltung gibt es auch dazu, denn zwei Schlepper ziehen einen großen Leichter bis vor den Strand. Viele Hände entladen dann den darauf befindlichen Container und eine Stunde später geht das Gespann wieder auf die Fahrt.

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Beim Auslaufen aus Port Sandwich sehen wir die rauchenden Vulkane von Ambrym vor uns

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Wir haben schönes Segelwetter und freuen uns, dass wir nicht kreuzen müssen, sondern mit einem Schlag gerade das Auslangen finden

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Fast am Ziel. Lamen Island liegt vor uns. Noch eine Meile bis zum Ankerplatz, …

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… wo uns jede Menge Turtles erwarten. Manche sind ziemlich groß

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Weil wir quer zum Schwell liegen, machen wir den Heckanker klar, um das Schiff mit den Nase in die anrollenden Wellen zu drehen

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Da wir nun anders vor Anker liegen, als die Nachbarboote (rechts die Hana Iti, links die Afia), haben wir einen Fender als Markierung auf unsere Heckankerleine gesteckt, damit niemand drüberfährt. In der Nacht beleuchten wir die Leine sicherheitshalber

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Dugong beim Abtauchen, fotografiert aus der ersten Saling. Ein Unterwasserfoto gelingt heute leider nicht

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Von den Turtles gibt es sehr viele hier. Deshalb sieht man sie auch unter Wasser eher einmal

Sonntag, 9. August 2015

Neues Ankerlicht

Sonntag, 09. August 2015, Port Sandwich, Malakula, Vanuatu. Installation eines Ankerlichts auf dem Geräteträger und ein Dinghyausflug ins Innere des Fjords

Wolkenloser Himmel und Null Wind. So erwartet uns dieser Sonntag. Gute Bedingungen für eine Yoga-Runde auf dem Vorschiff. Trotz dieser prima Vorausssetzungen habe ich den Eindruck, dass manche Übungen heute nicht besonders gut gelingen. Mein Trainingspensum ist wohl zu gering in letzter Zeit. Mal sehen, ob ich das wieder steigern kann. 3 bis 4 mal pro Woche wären gut, aber das ist ein hehres Ziel.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, am Vormittag in den Mast zu klettern und noch einmal die Reparatur des Ankerlichts anzugehen, aber nach dem Frühstück pfeift der Wind wieder ziemlich stark. Also stelle ich um auf Plan B. Wir hatten immer schon mal darüber gesprochen, dass es vorteilhaft wäre, wenn das Ankerlicht dichter über Deck wäre, anstatt in 17 Meter Höhe. Wenn man im Dunkeln nämlich nahe vor oder zwischen den Ankerliegern rumfährt, muss man ziemlich stark nach oben schauen, um überhaupt mitzukriegen, dass da ein Boot vor einem liegt. Ein über den Aufbauten angebrachtes Licht sieht man da schon besser. Deshalb krame ich unsere alte Ankerlaterne (in Kombination mit Dreifarbenlicht), die früher einmal oben auf dem Mast saß, heraus, und installiere diese auf dem Geräteträger am Heck. Am Nachmittag um Halb drei bin ich damit fertig.

Das Wetter ist immer noch sonnig und das nutzen wir, um anschließend mit dem Dinghy eine Tour in die Tiefen des Fjords zu unternehmen. Wir müssen zunächst gegen ziemliche Wellen andüsen, denn der Wind ist relativ stark und überall gibt es Schaumkronen. Von unserem Ankerplatz sind es noch 2,5 Meilen, also fast 5 Kilometer, bis zum Ende dieser traumhaft schönen Bucht, deren Wasser immer flacher – damit auch trüber und brauner - wird, je weiter wir hineinfahren. Weit drinnen liegt noch eine einzelne Segelyacht, die wir aber nicht kennen. Auf dem Rückweg fahren wir noch kurz bei der Hana Iti vorbei, wo wir gleich auf ein Bierchen eingeladen werden. Wir beratschlagen die nächsten Etappen. Nach Sichtung des neuesten Wetterberichts beschließen wir, morgen gemeinsam nach Epi in die Lamen Bay zu segeln, auf direktem Weg 25 Meilen. Morgen geht es allerdings gegen den Wind, aber da dieser nur mit 12 bis 14 Knoten angesagt ist, werden wir das wohl aufkreuzen können.

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Während ich noch meine Yogaübungen auf dem Vorschiff mache, kommt Didier mit seinem Enkel zu uns gepaddelt, um uns einen Fisch zu schenken

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Etwas später sehen wir ihn mit kompletter Familie auf einem Sonntagsausflug. Didier war derjenige, in dessen Kanu mal ein Hai gebissen hat. Zwischenzeitlich haben wir aber auch von anderen Anwohnern der Bucht erfahren, dass immer wieder große Haie gesichtet werden und man deshalb besser nicht ins Wasser gehen sollte. Das mindert ein ganz kleines bisschen den Reiz dieses tollen und sicheren Ankerplatzes. Beim Hineinfahren in die Bucht hatte Christine übrigens, die vorne am Bug stand, ein Dugong (Seekuh) vor uns abtauchen sehen und den Rücken und breiten Schwanz des Tieres gut erkennen können

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Nach ein paar Stunden Bastelei haben wir nun ein zweites Ankerlicht

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Mit dem Dinghy fahren wir tief in die Bucht hinein, wo wir eine wunderschön angelegte Kokosplantage entdecken. Unter den Palmen grasen Rinder. Auch ein Segler liegt hier, den wir von unserem Ankerplatz nicht sehen können

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Das letzte Stück des Fjords ist schmal und bei Hochwasser nur noch einen halben Meter tief. Wir liegen mit dem Dinghy gerade ganz am Ende und fahren nun wieder in Blickrichtung zurück