Sonntag, 9. Dezember 2012

Frust

Samstag, 8. Dezember 2012, Curacao Marine, Frust-Tag

So gut gestern alles gelaufen ist, so viel geht heute in die Hose. Mein geplantes 3-Stunden Programm für heute: Lautsprecher im Cockpit wieder ans Tönen kriegen. Hört sich doch ganz einfach an. Ist es aber nicht. Zunächst vermute ich eine Kontaktunterbrechung an den Lautsprechern. Dazu muss ich im Cockpit die Box für den 220 Volt Anschluss ausbauen. Das ist sehr lästig, denn die ist mit Silikon versiegelt und das saubermachen der Flächen ist zeitaufwändig und mühsam. Die Kabel sitzen aber auf den Lautsprechern. Auch am Radio kann ich nichts rausfinden. Trenne sämtliche Lautsprecherkabel auf und verbinde die der funktionierenden vorderen  mit den nicht funktionierenden achteren Speakern. Auch das funktioniert nicht. Nach allerlei Messerei und Kabelüberbrückungen gebe ich nach 5 Stunden auf. Dann gibt es eben keine Musik im Cockpit.

Um der Plackerei (wegen des rumturnens im Schacht der Elektrikanschlussbox bin ich mal wieder überall zerkratzt und zerschunden) noch einen positiven Abschluss zu bescheren, beschließe ich, den Aus- und Einbau der Box zukünftig zu vereinfachen und klebe Moosgummidichtungen in den Rahmen. Mit ein paar zusätzlichen Schrauben sollte die Box dann auch ohne Silikon wasserdicht abschließen.

Zu allem Überfluss gibt auch noch die wasserdichte Olympus Kamera den Geist auf. „Sagt“ einfach nichts mehr.

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Die Box muss raus, um an die Lautsprecher zu gelangen. Beim Kopfunter-Arbeiten und dem Versuch, möglichst weit nach unten zu kommen, muss man aufpassen, nicht ganz nach unten zu rutschen. Dann besteht durchaus das Risiko, ohne fremde Hilfe nicht mehr herauszukommen

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Auch die Schaltpaneele müssen wieder einmal ausgebaut werden. In den Innereien des Kabelsalats dahinter geht es ziemlich eng zu

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Diese Moosgummidichtung soll den zukünftigen Aus- und Einbau der 220-Volt-“Kiste” erleichtern. Wenigstens ein kleines Erfolgserlebnis zum Abschluss des Arbeitstages

Samstag, 8. Dezember 2012

Ankerwinsch wieder OK

Freitag, 7. Dezember 2012, Curacao Marine, Ankerwinsch tut’s wieder

Die Winsch ist tatsächlich schon wieder zusammengebaut, als ich um kurz nach neun im Mechanikerworkshop aufschlage. Ich packe auch das alte , ausgeleierte Schneckenzahnrad mit ein; man weiß ja nie, ob man das nicht noch einmal als Vergleichsmuster gebrauchen kann, falls sich irgendwo auf der Welt doch noch so ein Teil im hintersten Winkel einer Werkstatt auftreiben lässt. Als ich an Bord zurückkehre, haben unsere Nachbarn, die Österreicher Walter und Emmi mit ihrer Calamaris, den Liegeplatz schon verlassen.

Also kann es ans Einbauen gehen. Wie immer, ist nichts so einfach, wie es aussieht. Die vielleicht 10 kg schwere Einheit muss von unten auf die Welle samt Mitnehmerfeder geschoben werden. Ich nehme mir ganz bewusst vor, darauf zu achten, dass mir das gewichtige Ding nicht aus der Hand fällt. Im besten Fall hätte ich dann ab heute eine Boxernase. Was sonst noch alles passieren könnte, male ich mir lieber nicht aus. Ich kriege das Biest aber nicht auf die Welle geschoben. Hat doch vorher auch gepasst!? Also kommt 240er Schleifpapier zum Einsatz und der Durchmesser der Bohrung für die Welle wird etwas vergrößert. Das muss immerhin auf einer Länge von etwa 12 cm geschehen. Material: Bronze (anschließend ist diese Übung auch an Deck für den Kupplungskonus fällig. Auch dieses Teil will nicht auf die Welle rutschen). Nach drei Versuchen reicht es dann endlich und gegen Mittag sitzt die Winsch wieder an ihrem Platz und funktioniert. Mache sogar ein „Probeankern“ hier am Steg. Sind zwar nur 5 m Wassertiefe, aber das Maschinchen arbeitet ordentlich und holt den Anker ohne Mucken wieder an Deck.

Dann noch etwas Elektroarbeit: Installation einer zweiten Leselampe im Salon. Nach dem gestrigen Einbau einer zusätzlichen 12V Steckdose in der Achterkammer habe ich nun auch meine Strippenzieher-to-do-Liste fast abgearbeitet (es stehen noch die nicht mehr funktionierenden Cockpit-Lautsprecher auf dem Plan). Da kann man dann den schönen Nachmittag mit einem guten Buch im Cockpit genießen. Seit heute ist auch wieder Wind aufgekommen. In den letzten 5 Tagen gab es eine hier äußerst ungewöhnliche Dauerflaute.

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Die Küche wird zur Werkstatt

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Mit 240er Schleifpapier und langem Finger muss die Bohrung erweitert werden, weil die Welle sonst nicht hinein will.

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Ja, da muss man ordentlich drücken um den Unterdecksteil der Winsch auf die Welle zu schieben. Der Gesichtsausdruck ist eine Mischung aus Anstrengung und Lachen über die Fotografin

Freitag, 7. Dezember 2012

Behördenwahnsinn

Donnerstag, 6. Dezember 2012, Curacao Marine, Der ganz normale Behördenwahnsinn

Der Tag fängt eigentlich gut an, als ich um kurz nach Acht im Postamt anrufe und Mrs. Martina mir mitteilt, dass ich das Ersatzteil heute abholen könne. Also packe ich nach dem Frühstück eines der Klappräder aus und mache mich startklar. Es sind etwa 6 Kilometer über stark befahrene Straßen zu fahren, aber ich rüste mich mit dem iPod und allen Papieren aus und radle frohgemut los. Nassgeschwitzt komme ich an und ziehe als erstes mal die Nummer 43 an der Nummernmaschine (13 ist gerade dran!). Im Customer Service bekomme ich auch bald einmal meinen Zettel mit der nunmehrigen Tracking-Number.

Nach einer Stunde Warten bin ich dann dran. Dran sein heißt, dass das Päckchen jetzt in den Regalen gesucht wird. Ein System scheint es nicht zu geben, denn zwischenzeitlich sind 3 Leute mit der Suche beschäftigt. Nach 10 Minuten wird einer fündig und liefert die Schachtel an einem Schreibtisch im Hintergrund ab. Wieder 5 Minuten später werde ich aufgerufen. Ich solle hinter den Schalter zu der Dame an den Schreibtisch kommen. Die etwas korpulente Lady trägt eine Zoll-Uniform und meint, ich müsse, um das Ding in Empfang nehmen zu können, noch ein grünes Formular ausfüllen. Dieses gäbe es im Zollamt in Punda. Alles Betteln und Flehen nützt nichts. Sie hat zwar Verständnis dafür, dass es doch sehr mühsam ist, mit dem Klapprad 8 Kilometer zum Zoll und wieder zurück zu fahren, nur für diesen grünen Zettel und sie ist auch überaus freundlich. Aber umstimmen lässt sie sich nicht. Wenn nicht alle Leute bei dieser Umstandskrämerei so freundlich wären, könnte man hier zum Terroristen mutieren und den ganzen Laden in die Luft sprengen. Glücklicherweise frage ich noch mal detailliert nach, was denn mit dem grünen Zettel zu geschehen habe; ob da auch ein Stempel drauf müsse. Ja, ja, natürlich. Ob es eine Mittagspause im Zollamt gibt? Nein. Wie lange denn hier dieses Office geöffnet habe? Bis 17 Uhr. Ob ich dann noch mal eine Nummer ziehen und wieder eine Stunde warten muss? Nein, nicht nötig (na immerhin etwas…).

Also radle ich mit einer ordentlichen Wut im Bauch (nicht, dass ich es besonders eilig hätte, aber die Wut stellt sich einfach aus Prinzip ein) zum Customs Gebäude in downtown Punda. Dabei muss man einen ziemlichen Berg raufradeln. Nach einer halben Stunde komme ich wieder einmal nass geschwitzt in die Klimaanlagenkälte der Büros. Ja, so ein Formular kann ich an Schalter sowieso bekommen. Dort bedient eine junge Schwarze. Der Zettel kostet 50 Cents (lokale Gulden, also etwa 25 Euro-Cent). Ich biete eine 25 Gulden Note. Oh Gott, die kann sie nicht wechseln. Ich biete 35 cents Kleingeld. Nein, das ist zu wenig. Zwischenzeitlich frage ich, was ich denn auf den Zettel schreiben muss und wo ich den Stempel bekomme. Nein, einen Stempel brauche ich nicht. Nur den Wisch bezahlen und dann wieder zum Postamt. Nee, Fräulein, so leicht legt Ihr mich hier nicht rein. Ich bleibe hartnäckig und schließlich lässt sie sich erweichen, mal einen Kollegen zu fragen. Ein wichtig aussehender Mann mit ein paar Sternen auf den Schulterklappen und Schirmmütze nimmt sich der Sache an. Doch, doch, auf diesem Formular braucht es ein amtliches Siegel. Aber erst mal die Sache mit den 50 Cents klären. Der wichtige Mensch nimmt sich meinen 25er Schein und geht rüber zum Fischmarkt zum wechseln. Er kommt mit zwei Zehnern und einer 5 Gulden Münze zurück. Nein, die kann die Dame auch nicht wechseln. Ich sage, behaltet die 5 Gulden und lasst uns weitermachen. Das geht auch nicht! Schließlich stehen 3 Zollbeamte beieinander und wühlen in ihren Portemonnaies. Einer kann schließlich wechseln.

Dann schleppt mich der wichtige Mensch in sein Büro. Mit allergrößter Gemütsruhe füllt er für mich den Wisch aus (was eigentlich Aufgabe eines Agenten !! wäre) und kümmert sich zwischenzeitlich eine Viertelstunde um das Anliegen eines inkompetenten Kollegen, der mit einem Skipper nicht weiter weiß. Endlich, nach etwa 45 Minuten, ist das Ding fertig. Nun muss ich 7,50 Gulden berappen. Ich mit meinem 10er Schein wieder zur Kasse. Nein, den kann sie nicht wechseln. Wieder wollen sie nicht einfach die 10 Gulden behalten, weil ich aufs Wechselgeld verzichte würde. Wieder geht einer zum Fischmarkt. Als ich wieder abrauschen kann, bin ich schon fast 3 Stunden unterwegs.

Weil die Marina am Weg zum Postamt liegt, fahre ich mal kurz an Bord vorbei. Einerseits, um etwas zu trinken und zu essen. Andererseits, weil ich befürchte, dass meine liebe Mrs. Vivien Customofficer vielleicht gerade in der Mittagspause sein könnte, wenn ich da wieder schweißgebadet aufschlage. Diese Entscheidung war gut, denn Christoph bietet mir an, mich mit seinem Leihwagen zur Post zu fahren.

Tatsächlich werde ich gleich zu Mrs. Vivien durchgelassen, es werden noch ein paar Zettel ausgefüllt, ich muss noch mal 7,50 Gulden bezahlen und dann ist es geschafft.

Jetzt schnell zum Mechaniker und das Ersatzteil abliefern, damit er es einbauen kann. Der Bursche ist aber unterwegs und kommt erst um halb vier zurück. Morgen fliegt er in die USA. Aber als ich dann in seinen workshop gehe, ist er tatsächlich schon dabei, das wormwheel wieder in die Winsch einzusetzen, was sich allerdings als schwierig gestaltet. Jetzt sehe ich auch, dass ich das keinesfalls mit Bordmitteln hätte selbst machen können. Um die starke Feder herunterzudrücken, bevor man den Sprengring einsetzen kann, bedarf es einer hydraulischen Presse. Und dann stellt sich nach einer Stunde bastelns heraus, dass mein Ersatzteil um ein paar Zehntel Millimeter höher ist, als das alte. Das müssen sie dann morgen früh abdrehen. Jack, der Mechaniker, verschiebt seinen Flug in die USA auf Samstag. Ob wegen mir, frage ich lieber nicht.

 

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Postamt in Kwartier, etwa 6 oder 7 Kilometer von der Marina entfernt

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Blick oben vom Berg auf Punda. Das Customs Office liegt im Ortskern, ungefähr dort, wo das Kreuzfahrtschiff zu sehen ist

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Schön eingerichtetes Büro im Hauptzollamt, bestens klimatisiert. So gesehen gäbe es überhaupt keinen Grund, warum sich hier alle wie Schlaftabletten bewegen und alle Vorgänge maximal im Schneckentempo ablaufen. Mit dem iPhone ist man ja tollerweise so ausgerüstet, dass man in seinem Roman weiterlesen kann, während man vor dem verwaisten Schreibtisch sitzt, oder die neuesten Nachrichten in Spiegel online abruft

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Blick auf die Werft bzw. die Steganlage der zugehörigen Marina, wo wir nun schon seit 3 Wochen unser zu Hause haben

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Das Wormwheel. 100 Euro Warenwert, 50 Euro Transportkosten und 16 Tage für den Weg von Deutschland nach Curacao, plus 2 Tage für den Zoll (was angesichts der Weihnachtszeit und der sonstigen Laufzeiten wirklich super kurz ist, wie ich mittlerweile weiß. Mrs. Martina muss sich ganz vehement für mich ins Zeug gelegt haben). Es sind alle wirklich total nett und die meisten sogar von eiiner herzliche Freundlichket, das kann man ja nicht anders sagen. Von anderen Seglern, die mal etwas von hier nach Hause geschickt haben, weiß ich, dass sich der deutsche Zoll bis zu 11 Tage nimmt für so eine Mini-Transaktion.

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Ausgeschlagenes, altes Zahnrad

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Jack und sein Gehilfe haben ziemliche Mühe, das Ding wieder zusammenzubauen. Heute noch kein Erfolg. Morgen müssen noch ein paar Zehntel-Millimeter abgedreht werden. Jedenfalls braucht es für die Montage eine hydraulische Presse. Mit Bordmitteln wäre dieses Ding weder auseinanderzunehmen, noch zusammenzubauen.

Synagoge

Mittwoch, 5. Dezember 2012, Curacao Marine, Jüdische Synagoge

In der Früh, bevor um 9 das Auto abgeholt wird, fahren wir noch schnell zum schwimmenden Markt, um Fisch einzukaufen. Wir erstehen zwei große Scheiben Wahoo. Haben wir beide noch nie gegessen und sind gespannt, wie der schmecken wird.

Bei der Post erreiche ich heute niemanden und bekomme auch leider keinen Anruf, dass wir das Ersatzteil schon abholen können. Deshalb gehen wir am Nachmittag in die Stadt und besichtigen die jüdische Synagoge, mit fast 300 Jahren die älteste in der Neuen Welt. Es ist ein kleines Museum angeschlossen und unterm Strich ist das ganze nicht uninteressant, mit 10 Dollar Eintritt aber eigentlich etwas zu teuer.

Schräg gegenüber der Synagoge, mitten in der Fußgängerzone von Punda, hören wir Live-Musik aus einer Open Air Bar. Wir machen es uns dort gemütlich und bleiben eine Stunde hocken, bevor wir den Rückweg antreten. Jetzt in der Abenddämmerung sind die Temperaturen deutlich angenehmer als am frühen Nachmittag.

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Dieses Haus in Punda steht leer und ist zu verkaufen oder zu vermieten. In dieser Gegend gibt es zahlreiche solch schöner Gebäude, manche zerfallen, viele aber trotz Leerstands in sehr gutem Zustand. Die meisten beherbergen Banken oder Beratungsfirmen.

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Blick in die jüdische Synagoge. Der Boden besteht aus feinem Sand. Beim Betreten sollen Männer eine Kopfbedeckung tragen. Wer keine dabei hat, möge sich eines der bereitliegenden Kippots (kleine runde Käppis) aufsetzen. Möchte nicht wissen, wie verschwitzt die bei Dauergebrauch durch Hundertschaften von Besuchern sind. Bin deshalb froh, dass ich meinen Hut dabei habe. Wenn man an einem Service teilnehmen möchte, soll man anständig gekleidet sein (keine Shorts, keine Slippers, keine Jeans). Schon diese Vorschriften würden mir den Besuch verleiden, ganz zu schweigen von den Moskitos, die uns relativ bald wieder aus den heiligen Hallen getrieben haben.

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Schräg gegenüber der Synagoge. Die Musik ist gut (hatten wir schon in der Synagoge gehört) und die Gäste interessant, auch wenn es um diese Zeit noch nicht recht viele sind

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Mittwoch, 5. Dezember 2012

Wormwheel auf Curacao angekommen

Dienstag, 4. Dezember 2012, Curacao Marine, Besuch bei der Post

Am Vormittag montiere ich eine zusätzliche 12 Volt Steckdose im Instrumentenpaneel. Um 14 Uhr fahren wir Onno mit unserem Auto zum Flughafen. Anfang des neuen Jahres wird er mit Gesa wieder hier sein, aber dann sind wir sicher schon weg. Aus diesem Grund haben wir gestern Abend bei uns an Bord auch noch etwas gefeiert. Lisa hat ein phantastisches Chilli con Carne gekocht und Onno hat wieder einmal den Wein beigesteuert. Heute am Flughafen war dann Abschiednehmen angesagt. Wer weiß, wann wir uns wiedersehen.

Auf dem Rückweg vom Flughafen fahren wir bei dem großen Postamt in Kwartier vorbei und erfahren von der netten Dame im Customer Service, dass unser Ersatzteil heute eingetroffen ist. Jubelschrei! Aber – Natürlich gibt es ein Aber! Das Ding muss hier erst noch durch den Zoll. Soll bis Freitag oder sogar bis Montag dauern. Ich biete alle meine Becircungskünste auf, erzähle, wie lange wir schon auf das Ersatzteil warten und wie dringend wir weiter müssten. Die Lady wird sich bemühen, eine Beschleunigung bei den Customs-Jungs zu erreichen. Sie hat jetzt meine lokale Telefonnummer und will mich anrufen, sobald es was neues gibt. Jeder Tag vor Freitag wäre ein Gewinn.

Da wir morgen den Wagen zurückgeben wollen, fahren wir anschließend einmal so richtig einkaufen. Zwei große Einkaufswagen voll für über 400 Euro Warenwert. Damit sollten wir eine Weile auskommen. Zwar werden auch an unseren nächsten Stationen gute Supermärkte zur Verfügung stehen, aber wer weiß, in welcher Entfernung zum Boot. Und ohne Auto ist halt alles etwas mühsamer. Das Einräumen an Bord dauert über eine Stunde.

Dienstag, 4. Dezember 2012

Warten auf das Ersatzteil

Sonntag, 2. Dezember 2012, Curacao Marine, vorläufg letzter Akt in Sachen Fenster

Es ist fast windstill hier im Hafen, draußen auf See hat es um die 3 Windstärken. Wäre eigentlich tolles Wetter zum weitersegeln. Aber wenig Wind ist auch brauchbar, um mit Silikon an Deck zu hantieren. Bevor dieser Akt beginnt, wird das Fenster aber einem Stresstest unterzogen. Der Hahn wird aufgedreht, und dann heißt es: Wasser marsch! Volle Kanne mit dem Schlauch drauf aufs Fenster, bzw. auf die neuen Fugen. Alles dicht. Super.

Als alles abgetrocknet ist, wird die Dichtungsfuge um das neu eingesetzte Fenster gezogen und anschließend kommen noch die fehlenden UV-Schutz-Streifen auf die noch nicht abgeklebten Scheiben. Ab 13 Uhr ist Sonntagsruhe angesagt. Lesen und ein paar PC-Arbeiten stehen auf dem Programm. Jetzt sind alle Programmpunkte bis auf die Ankerwinsch abgearbeitet. Wenn das Ersatzteil endlich käme, könnten wir hier bald die Leinen loswerfen und uns endlich auf die Socken machen.

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Alle Fenster haben nun ringsum auch die schwarzen “Zierstreifen” erhalten, die die Verklebung vor den zerstörerischen UV-Strahlen schützen sollen

 

Montag, 3. Dezember 2012, Curacao Marine, Maritime Museum

Die SIM-Karte hat kein Telefonguthaben mehr. Weil ich aber täglich bei der Post anrufen muss, um mich nach dem Ersatzteil zu erkundigen, fahren wir am späten Vormittag in die Stadt und laufen dann über die Queen Emma Bridge nach Otrabanda zum Digicel Shop, um Guthaben aufzuladen. In dem Laden ist es brechend voll und wir stellen uns brav in die Schlange. Schließlich kommen wir an die Reihe und können anschließend auch wieder telefonieren.

Zurück über die drehbare Fußgängerbrücke nach Punda (dem östlichen Stadtteil von Willemstad) und dort in eine Bank. Ich will endlich mal ein paar Hundertdollarscheine, die hier kaum irgendwo akzeptiert werden, weil es davon offenbar so viele Fälschungen gibt, in kleinere bills umtauschen. Einen der Scheine will die Dame am Counter aber nicht annehmen, weil ein kleiner, 1 cm langer Riss im Schein ist. „Regulations of the bank“. Dafür, dass der Dollar hier offizielles Zahlungsmittel ist, finde ich den gezierten Umgang mit den 100er Noten eine echte Zumutung.

Wir machen einen Abstecher in das interessant gemachte Maritime Museum und fahren später zu Island Water World, u.a., um unser Angelequipment noch etwas aufzubessern. Um 1430 mein täglicher Anruf bei der Post: „Sorry, not arrrived yet“, das kann ich schon langsam nicht mehr hören.

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Jetzt ist hier auch die Zeit der Kreuzfahrer wieder angebrochen. Meistens liegen mehrere große Touristenschiffe hier, wie die Club Med 3

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Das Maritime Museum in Punda hält einige interessante Ausstellungsstücke über die Seefahrt und Curacao bereit

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Karte mit den Expeditionen von Christopher Columbus

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Onno und Walter fachsimpeln darüber, wie die Genua am besten aufzurollen ist. Habe bei mir im Cockpit geradezu einen Logenplatz für diese beinahe kabarettreife Vorführung

Sonntag, 2. Dezember 2012

Fenster raus und rein

Freitag, 30. November 2012, Curacao Marine, Fenster-Ausbau

An diesem Tag beschäftige ich mich zwangsläufig formatfüllend mit dem losen Fenster an Backbord. Zwar ist die Verklebung an der Unterseite offen, dafür haftet das Zeug am oberen Rand wie geschweißt. Ich probiere verschiedenen Methoden; Stanley-Messer, Multimaster mit dem Schab-Vorsatz, Küchenmesser. Der Multimaster ginge prima. Die Klinge wird aber auf dem Plexiglas zu heiß, weil sie so stark eingeklemmt ist. Schließlich geht es am besten mit einem sehr langen Schälmesser, das von innen durch die 4 cm breite Gummiverklebung durchgestoßen wird und dann millimeterweise vorwärtsbewegt werden muss. Dauert zweieinhalb Stunden und zweieinhalb Liter Schweiß, dann ist das Fenster draußen. Dann noch mal 5 Stunden, bis die Scheibe und der Aufbau restlos von dem alten Kleister gereinigt sind. Multimaster, Stecheisen, Schleifpapier, Aceton …

Bekomme viele Ratschläge für die Verklebung. Fast jeder hier am Steg hat schon mal Probleme mit Fenstern gehabt. Nimm bloß kein Sica, 3M ist viel besser. Aber auch da gibt es verschiedene Produkte und das passende muss man erst mal kriegen. Da Onno ohnehin mit dem Auto unterwegs ist, um die Momos wegzubringen, organisiert er mir das Zeug. 3 verschiedene Geschäfte haben sie teils mehrmals abgeklappert. Nun habe ich das UV-beständige 3M 4000. Morgen kommt der große Tag, an dem das Fenster wieder eingeklebt wird. Man hat nur einen Versuch!

Obwohl ich hundemüde bin, lasse ich mich überreden, zur Freitags-Happy-Hour nach Spanish Water mitzufahren. Der Abend wird dann sehr schön. Wir verabschieden die Momos, die sich morgen nach Osten aufmachen wollen und gehen zur Feier des Tages in einem recht feinen Restaurant ganz in der Nähe der Happy Hour essen. Mittelgroße Runde mit Gerda, Inge, Ulli, Onno, Christof und uns. Heute abend fahre ich. Unser Ersatzteil ist übrigens immer noch nicht da.  PB305636

Diese Scheibe muss raus, weil sie unten lose ist. Dafür klebt sie oben umso fester. Letztlich geht es mit dem Küchenmesser am besten, aber die Klinge durch das dicke Gummi und den engen Spalt zu ziehen, ist brutal anstrengend

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Die Scheibe ist draußen und schon fängt es an zu regnen. Ein aufgetapter Müllsack muss das Wasser abhalten

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Diese Lage ist ja fast schon wieder bequem. Stundenlang auf den Knien zu liegen, ohne die Hände abstüzten zu können, ist für den Rücken deutlich strapaziöser

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Samstag, 1. Dezember 2012, Das Fenster kommt wieder rein

Die Sonne lacht vom Himmel und es wird richtig heiß heute. Es gibt nur ganz wenig Wolken. Dementsprechend niedrig waren auch heute Nacht die Temperatur im Boot. Heute morgen war sie auf 25 Grad runter. Das ist schon supertoll zum Schlafen.

Gegen halb elf Uhr haben wir dann alles so weit vorbereitet, dass das Fenster wieder an seinen Platz kommen kann. Küchenrolle, Lösungsmittel, Spannvorrichtung, Silikon, Mülleimer für die versauten Putzfetzen. Eigentlich ist alles generalstabsmäßig durchdacht. Ganz wie geplant, klappt es dann doch nicht. Weil man die Scheibe allein nicht von außen halten kann, drückt Lisa von innen dagegen, ich von außen. Mein Briefing für Lisa war wohl nicht ausreichend, denn sie nahm zu früh den Druck gegen die Scheibe von innen weg. Damit das ganze eingekleisterte Ding nicht einfach runterfällt, musste ich nachdrücken, obwohl die Scheibe noch nicht an der richtigen Stelle saß. Das hatte zum Ergebnis, dass ziemlich viel der schwarzen Pampe auf den weißen Kajütaufbau neben und unter dem eigentlichen Rahmen verschmiert wurde. Das haben wir dann zwar mit ganz viel Küchenrolle und Lösungsmittel wieder wegwischen können, meine Sorge geht jedoch dahin, dass nun nicht mehr die Menge Kleber, die eigentlich vorgesehen war, zwischen Scheibe und Aufbau gekommen ist. Nun, das wird sich dann zeigen müssen.

Nachmittags machen Lisa und ich uns auf zum Jan Thiel Strand. Man zahlt einen kleinen Eintritt, dafür gibt es dann Liegen, Duschen und Bars en Masse. Interessanterweise sehen wir hier am sehr viele junge Urlauber, die meisten aus Holland und Deutschland. Wahrscheinlich gibt es jetzt noch gute Vorsaisonangebote. Um Weihnachten herum wird es sicher richtig teuer.

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Die Scheibe sitzt wieder drin und die Schmiererei ist auch beseitigt. Morgen muss noch die äußere Fuge silikoniert werden

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Auch von Christof müssen wir uns verabschieden. Er läuft aus Richtung Klein Curacao und will dann weiter nach Osten und später nach Norden