Samstag, 8. August 2015

Lamap Art and Cultural Festival, 2. Tag

Samstag, 08. August 2015, Port Sandwich, Malakula, Vanuatu. Zweiter Tag des Lamap Art and Cultural Festival

Auch heute wird uns wieder einiges geboten. Obwohl der Vormittag mit einem Beschneidungstanz beginnt, der von Männern vorgeführt wird, steht der Rest des Tages doch ganz im Zeichen weiblicher Aktivitäten. Dazu gehören das Flechten von Palm- oder Pandanusblättern zu verschiedenen Zwecken. Blätter von Bäumen oder Sträuchern werden hier für vieles verwendet, sei es als Matten zum drauf sitzen, als Dach- oder Kopfbedeckung, Körbe, Taschen oder auch als Spielzeug. Die Herstellung der einzelnen Gebrauchsgegenstände ist gut durchdacht, aber sicher nicht besonders schwer zu erlernen. An einer anderen Stelle wird uns die Zubereitung von Laplap gezeigt, einem Nationalgericht, das meistens aus Yams-Wurzeln gekocht wird. Es werden dabei ausschließlich natürliche Materialien verwendet, also auch keine Töpfe oder ähnliches Gerät. Sogar die Reibe, auf der die Wurzeln zu Mus gerieben werden, ist aus einem Stück Baum hergestellt. Der Brei kann mit verschiedenen Methoden gegart werden. Entweder er wird in mehreren Lagen grüner Blätter gewickelt und einfach auf die Glut gelegt. Oder es werden heiße Steine zusammen mit dem Laplap in Blätter eingepackt und verschnürt. Oder der Brei wird in ein dickes, frisches Bambusrohr geschoben und dieses dann ins Feuer gelegt. Nach dem Garen wird dann Kokoscreme als Sauce darübergegossen. Das fertige Gericht hat eine etwas zähe Konsistenz, schmeckt aber ganz gut, auch wenn es sicher nicht unser Leibgericht werden wird. Wie gestern, werden wir außerhalb dieser Verkostung mit drei Mahlzeiten versorgt, einem kompletten Mittagessen mit reichhaltigem Buffet, sowie vormittags und nachmittags eine Teepause mit einigen kleinen Leckereien.

Am Nachmittag folgt eine Tanzvorführung der Frauen, später werden weitere Tätigkeiten des täglichen Lebens gezeigt. Auch heute sind wir ständig in engem Kontakt mit den Dorfbewohnern, die sich vollzählig bei dem Fest engagieren. Nebenbei lernen wir heute mal Segler aus einer anderen Kategorie kennen, nämlich die italienischen Eigner einer Superyacht namens Indio. Normalerweise gibt es wenig Kontakt zwischen den Cruisern unserer Kategorie und Bootsbesatzungen, die mit bezahlter Crew zur See fahren und deren Yachten mehrere Millionen kosten. Heute ist das mal anders. Die fünfköpfige Familie mit den drei jungen Mädchen ist ausgesprochen nett. Sie verbringen einen dreiwöchigen Urlaub auf ihrer 30-Meter-Yacht, die unter Segeln bis zu 20 Knoten schnell ist. Wenn Geld keine Rolle spielt, kann man sich das Leben etwas leichter machen, indem man z.B. extra ein Versorgungsschiff aus Port Vila (90 Meilen entfernt) kommen lässt, das Diesel bringt (ein paar Tausend Liter) oder einen Hubschrauber bestellen, mit dem man mal eben zum Vulkan auf die Nachbarinsel Ambrym fliegt. Es sei ihnen gegönnt. Dafür können sie mit ihren 5 Metern Tiefgang manche der schönsten Plätze nicht anlaufen.

Zum Abschluss des Tages spielt wieder die Gitarrenband. Jeder Gast wird von allen Dorfbewohnern persönlich mit Handschlag und manchmal auch mit Bussi Bussi ausgesprochen herzlich verabschiedet. Die Damen bekommen ein lokales Kleid geschenkt (weil Christine schon eines anhat, wird sie dabei übersehen, was aber nicht weiter stört, denn außerhalb von Vanuatu wird sie dieses Teil wohl kaum jemals wieder anziehen). Um 1745 sind wir schließlich wieder an Bord zurück.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA 

Gleich morgens am Strand finden wir begeisterte Abnehmer für einige Kleidungsstücke, die wir noch aus dem Admetus-Bestand an Bord haben

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Didier freut sich über eine Mütze und setzt sie gleich auf

OLYMPUS DIGITAL CAMERA  OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Lachende Kindergesichter, wie hier in Port Sandwich, sind immer wieder lohnende Fotomotive

P8088395

Magalie mit ihren Kindern (es sind nicht alles ihre eigenen, sie hat “nur” fünf)

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

P8088415

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

IMG_0807

Christiine mit Marie-Luce, Magalie, Claudine (Cassiopee) und einer der Organisatorinnen des Festivals

IMG_0814

IMG_0820

IMG_0821

IMG_0824

 IMG_0847  IMG_0854

IMG_0851  IMG_0838

IMG_0858

IMG_0868

Beschneidungstanz der Männer. Sehr schnell und ziemlich anstrengend. Wegen der permanenten Bewegung ist es schwer, ein paar gute Fotos zu schießen

IMG_0873

IMG_0874

IMG_0911

IMG_0925

IMG_0926

IMG_0928

IMG_0936

Der Tanz der Frauen ist deutlich langsamer und leiser, als derjenige der Männer

IMG_0946

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Auch heute gibt es wieder Musik am Nachmittag und ausgelassenes Tanzen, bei dem sich Gäste und Einheimische bunt mischen

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Abschiedsfoto am Nachmittag

Freitag, 7. August 2015

Lamap Art and Cultural Festival

Freitag, 07. August 2015, Port Sandwich, Malekula, Vanuatu. Lamap Art and Cultural Festival

Um 9 Uhr holt uns (und die anderen Yachties) ein Truck ab. Die Fahrt geht nach Penap, einem Village oder Sektor von Lamap, in dem dieses Jahr das Cultural Festival stattfindet (die Veranstaltung wandert von Dorf zu Dorf, findet aber nur einmal jährlich statt). Dort werden wir mit einem Tanz begrüßt und zum Dorfplatz geführt, wo sich auch das Gemeindehaus befindet. Damit den hiesigen Formalitäten Genüge getan ist, übergibt ein Speaker der Touristen (keine Ahnung, wer den als Sprecher der etwa 40 zahlenden Gäste auserkoren hat) dem Chef des Dorfes ein Schwein als Gastgeschenk, das selbstredend vom Dorf zur Verfügung gestellt wurde. Es handelt sich um ein Ferkel, dessen Fesseln zusammengebunden sind und das man nun praktischerweise wie eine Henkeltasche tragen kann (wobei das Schweinchen kopfüber hängt, natürlich). Das arme Viech muss aber nur diese Prozedur ertragen und wird heute nicht umgebracht.

Anschließend werden alle Gäste mit Handschlag von allen erwachsenen Dorfbewohnern begrüßt und dann wird eine Village-Tour angeboten, wobei jede Kleingruppe einen eigenen Führer erhält. Unsere Führerin heißt Maigali und spricht ganz gutes Englisch, auch wenn Malekula während der Kolonialzeit zu Frankreich gehörte und deshalb die meisten Menschen hier außer ihrem Inseldialekt und Bislama eben französisch sprechen. Das Dorf ist einfach, aber schön gelegen und Sturmschäden sind kaum noch sichtbar. Überall laufen Schweine zwischen den Häusern herum. Abgesehen von den Unannehmlichkeiten, die das Wetter bringen kann, leben die Menschen hier wie im Paradies, denn die Landschaft ist schön und fruchtbar, so dass zumindest, was Lebensmittel angeht, kein Mangel herrscht.

Dass dem so ist, wird uns eindrucksvoll bewusst, als wir zum Morning Tea gebeten werden, denn der Tisch ist reichlich gedeckt. Außer einem gesüßten Zitronengrastee gibt es ein großes Buffet mit Marmeladenbroten und vielen Früchten sowie kleinen Leckereien, die für uns etwas vollkommen Neues sind. Kleine runde Bällchen, die aussehen wir Hackfleisch, entpuppen sich als eine Art Kokosmakronen. Und etwas, das wie geröstete Mandeln ausschaut, ist tatsächlich eine Baumfrucht namens Navel und schmeckt nussig und knackig. Wir hätten uns das Frühstück an Bord glatt sparen können.

Danach sieht das Programm einen traditionellen Tanz der Männer vor, bei dem einige der Tänzer Masken tragen und alle halbseitig mit einer hellen gelben Farbe bemalt sind. Dieser Tanz wird anlässlich von Beerdigungen aufgeführt (aber nur, wenn Männer gestorben sind). Nach dem Tod wird der Leichnam 5 Tage lang aufbewahrt und erst anschließend begraben. Und zwar an einer Stelle, die die nächsten Angehörigen nicht erfahren. Die Menschen hier glauben, dass der Tote nach diesen 5 Tagen den wichtigsten Abschnitt seines Daseins durchläuft, nämlich den Übergang ins Jenseits. Nach einem Jahr wird das Skelett dann wieder ausgegraben. Was anschließend damit passiert, haben wir aber leider nicht mehr verstanden.

Auch zu Mittag gibt es dann wieder ein reichhaltiges Buffet mit Schweinefleisch, Fisch und Gemüsevariationen ohne Ende. Gegessen wird von geflochtenen Schalen, in die große Blätter gelegt sind. Bevor man den Raum betritt, in dem das Essen aufgebaut ist, soll man sich die Hände in eigens dafür aufgestellten Schüsseln waschen. Seife gibt es auch. Wir fragen uns, was hygienischer ist: Die Hände in Wasser zu waschen, in dem das vor einem schon zig andere gemacht haben, oder lieber auf die Handwäsche zu verzichten. Egal, wir machen mal das, was vorgeschlagen wird. Das Essen schmeckt jedenfalls gut und es ist mehr als genug vorhanden. Für die Reste vom Schwein, die man nicht essen mag (z.B. Knorpel und Fett) finden sich in den Hunden, die herumlaufen, gleich dankbare Abnehmer. Auch der kleine Fischkopf verschwindet in einer Hundeschnauze.

Am Nachmittag werden diverse Arbeiten oder Fertigkeiten vorgeführt, die auch heute noch das Leben der Menschen hier bestimmen oder begleiten. Ein Mann klettert ohne Hilfsmittel eine Palme hinauf. Ein anderer führt vor, wie eine Falle gebaut wird, mit deren Hilfe man wilde Hühner fängt. Dabei handelt es sich um eine Pyramide, die aus Stöcken und einer dünnen Liane gefertigt wird. Das ganze Ding wird gekippt und auf ein Stöckchen gestellt. Als Köder kommt eine halbe Kokusnuss unter den Käfig und wenn das Huhn dann zum Köder läuft, stolpert es über einen Mechanismus, der die Pyramide runterfallen lässt und schon sitzt das Huhn in der Falle. Es gibt auch noch eine einfachere Methode, Hühner zu fangen, nämlich mit einer Schlinge, die an einer biegsamen Rute befestigt ist, die auf Spannung gesetzt wird. Hierbei hängt das Huhn dann schließlich kopfüber mit den Füßen in der Schlinge.

Weiters werden uns die Erstellung von Pfeilen und das Schießen mit Pfeil und Bogen gezeigt sowie das Flechten von Häuserwänden aus Bambusstreifen, die gewonnen werden, indem man Bambusrohre flachschlägt. Zu guter Letzt kommt natürlich noch die Kava-Produktion zur Vorführung, inclusive Verkostung. Die meisten Gäste verzichten, aber ich probiere heute mal wieder einen Schluck. Etwas stärker als in Fiji, und die Zubereitungsart ist komplett anders. Während in Fiji die Kavawurzeln knochentrocken sein müssen und dann zu Pulver zermörsert werden, was anschließend in Wasser aufgelöst wird, nimmt man hier frische Wurzeln (die übrigens, je nach Alter und Größe des Baumes bis zu 100 kg wiegen können) und quetscht mit verschiedenen Methoden (z.B. mit einem Fleischwolf) den Saft aus diesen Wurzeln heraus.

Auch am Nachmittag gibt es noch einmal Tea-time, diesmal mit Kuchen. Zum Abschluss des Tages tritt eine Gitarrenband auf, und Einheimische und Touris tanzen ausgelassen zusammen. Eine einfache und wirkunsvolle Art der Völkerverständigung.

Leider regnet es auch heute hin und wieder. Der stärkste Guss geht glücklicherweise erst nieder, als wir gerade auf der Ladefläche unseres planengedeckten Trucks sitzen und wieder zu unseren Booten gefahren werden. Um 17 Uhr sind wir wieder an Bord. Im Vergleich zum Festival in Ambrym ist die Preis/Leistungs-Relation hier deutlich besser. In Ambrym hatten wir 8000 Vatu bezahlt, hier kosten die zwei Tage 5000 und darin ist der Transport, immerhin 4 mal ein ziemlicher langer Weg von sicher 6 oder 7 Kilometern, sowie die sehr umfangreiche Verpflegung enthalten. Außerdem verstehen es die Leute hier besser, intensiver mit den Gästen zu kommunizieren.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Begrüßungstanz. Wir folgen den tanzenden Männern zum Gemeindeplatz

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA  OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Alle Gäste werden mit Handschlag begrüßt und jeder bekommt einen Blumenschmuck umgehängt

P8078181

Der Touri-Sprecher übergibt ein Schwein an den Chief. Alle Männer des Dorfes defilieren nun an dem Ferkel vorbei, bücken sich und berühren es kurz. Anschließend gibt es shake-hands zunächst mit dem Sprecher, dann mit allen anderen Gästen

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Im Dorf Penap laufen überall Schweine herum, …

P8078196

… und vielfach sieht man kleinere Solarpanele, mit denen Handies oder die Akkus von Lampen geladen werden

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Hier werden Kava-Wurzeln durch einen Fleischwolf gedreht

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Maigali führt uns durch ihr Dorf

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Tea-time im Gemeindehaus

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Dieser Mann erklärt den Custom-Dance, leider nur in Bislama und Französisch. Die englische Übersetzung ist auch nicht so leicht verständlich

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA   OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

P8078278

P8078281

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

P8078300

P8078323

Wie fange ich eine wildes Huhn?

P8078333

Oder wie erlege ich es gegebenenfalls?

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Rauf auf die Palme

P8078341  OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Hier wird gezeigt, wie eine Häuserwand aus Bambusstreifen entsteht

P8078363

Hier wird frische Kava “gebraut”

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Rückfahrt im Regen auf der Ladefläche eines Trucks. Mit einer Fuhre werden 20 Leute transportiert

Haie und Regen in Port Sandwich

Donnerstag, 06. August 2015, Port Sandwich, Malakula, Vanuatu. Wir verlegen ins Innere des Fjords. Viel Regen

Heute Nacht sind wir an den uns schon bekannten Ankerplatz im äußeren Bereich des langen Fjords gefahren, weil uns das am sichersten erschien. Da wir damit rechnen, einige Tage hier zu verbringen, bis wir ein nächstes Wetterfenster bekommen, mit dem wir uns südlich bewegen können, wollen wir aber dieses Mal in den geschützteren Bereich weiter innen in die Förde fahren. Wir entscheiden uns, das noch vor dem Frühstück zu machen. Um 0715 haben wir den Anker aus dem Grund und motoren 1,7 Meilen weiter hinter eine Landzunge, wo sich eine kleine Pier und der Hauptankerplatz von Port Sandwich befinden.

Obwohl wir bisher kaum von Mücken belästigt werden, wahrscheinlich, weil es für hiesige Verhältnisse relativ kalt ist, wollen wir doch nicht zu dicht am Ufer ankern, um eventuelle Invasionen von Insekten weitestgehend auszuschließen. 300 Meter vom Strand entfernt ankern wir deshalb auf 17 Meter Wassertiefe. Erstaunlicherweise ist das Wasser so tief in der Bucht noch sehr klar, was uns freut, denn dann können wir täglich den Wassermacher laufen lassen. Am Ankerplatz liegen 5 Yachten, von denen wir die Cassiopée (Claudine und Gerard) und die Afia (Beatrice und Uwe) bereits kennen. Am Ende des Tages sind es bereits 9 Boote und eine weitere, ziemlich große Sloop ankert noch etwas tiefer in der Bay.

Christine hat gestern übrigens die Seefahrt trotz der zeitweilig unangenehmen Schiffsbewegungen auf der Kreuz gut überstanden, u.a. wohl deshalb, weil sie Tabletten genommen hat. In letzter Zeit hatte sie danach (d.h. nach dem Absetzen der Tabletten) öfter über Kopfschmerzen geklagt, die manchmal länger als einen Tag angehalten hatten. Das ist heute glücklicherweise nicht der Fall, was vielleicht daran liegt, dass sie bewusst viel getrunken hat.

Wir frühstücken am neuen Ankerplatz, machen Schiffsputz, bringen das Dinghy zu Wasser und den Außenborder wieder an und ruck zuck ist es Lunchtime. Weil wir beide in der Nacht wenig geschlafen haben (ich bin erst um zwei Uhr ins Bett gekommen), gönnen wir uns heute einmal einen Mittagsschlaf, von dem wir uns erst um kurz vor Drei wieder aufraffen und erstmal Kaffee trinken. Seitdem wir vor Anker liegen, ist das Wetter diesig und es nieselt mehr oder weniger ständig. Trotzdem fahren wir mit dem Dinghy zum Strand, um uns über das Festival zu informieren, das hier morgen und übermorgen stattfinden soll. Wir finden eine Anschlagtafel, auf der das Programm verkündet wird. Eintritt für beide Tage 5000 Vatu pro Person. Wir spazieren eine Stunde lang durch den Nieselregen, um uns die Beine etwas zu vertreten. Auf dem Weg treffen wir mehrere Gruppen von Einheimischen, die von ihren Gärten zurückkommen.

Mit einigen von ihnen plaudern wir eine Weile und treffen später am Strand auf einen Fischer namens Didier bei seinem Auslegerkanu, was interessanterweise aus GFK gebaut ist und nicht, wie sonst üblich, aus einem ausgehöhlten Baumstamm besteht. Heute geht er nicht mehr angeln, denn der Wind ist mittlerweile zu stark geworden. Die Verständigung ist etwas schwierig, weil der Mann besser französisch spricht, als englisch. Bei uns ist es umgekehrt. Wir fragen ihn danach, ob man hier gefahrlos ins Wasser gehen könne (weil wir in einem Guide gelesen haben, dass hier vor einigen Jahren ein Mädchen durch eine Hai-Attacke ums Leben gekommen war). Nein, das solle man besser nicht tun, weil zu gefährlich. Er zeigt uns eine Stelle am Bug seines Kanus, wo ein großer Hai hineingebissen hat und die Macke, die der Zahnabdruck hinterlassen hat, noch gut zu sehen ist. Er habe damals furchtbare Angst gehabt, sein Paddel ins Wasser zu tauchen. Ich frage, wann das denn gewesen sei und er antwortet, vor etwa 15 Jahren. Auch der Cruising-Guide dürfte aus der Zeit der Jahrtausendwende sein. Ist schon interessant, wie lange so ein traumatisches Ereignis vorhält und die Handlungen der Menschen beeinflusst, denn vermutlich ist der Hai schon längst gestorben oder weitergezogen. Jedenfalls haben wir hier, auch weiter vorne in der Bucht, niemanden im Wasser herumplanschen oder im Wasser stehend, fischen sehen, wie das sonst überall üblich ist.

Später, als wir wieder an Bord sind, fährt ein Dinghy mit Angehörigen des Organisationskomitees von Schiff zu Schiff, um zu fragen, wer morgen zum Festival kommt. Nun können wir uns also offiziell anmelden und halbwegs sicher sein, dass wir in der Früh um 9 Uhr mit einem Truck abgeholt werden. Hoffentlich hat es sich dann ausgeregnet.

Hier sind wir wieder in der Internet Diaspora, sprich, es gibt ein Netz, aber nur Edge-Niveau, also vorerst wohl keine Fotos. Wir hoffen, dass wir in einer Woche in Port Vila sind und dort wieder Bilder hochladen können.

P8068142

Der Ankerplatz in Port Sandwich gilt als Hurricane Hole. Es gibt eine kleine Pier für das Versorgungsschiff (hinter dem blauen Boot rechts im Bild). Nach links geht es noch tiefer in den Fjord hinein, die Ausfahrt ist oben rechts im Bild (hinter dem 3. Boot v.r.).

P8068143

Auf dem Heimweg nach der Arbeit auf dem Feld. Alle sind mit Macheten ausgerüstet. Hin und wieder sieht man auch mal einen Spaten.

P8068144

Die Zaunpfähle, die mehrere Reihen Stacheldraht tragen, schlagen offenbar alle Wurzeln und treiben aus. Bald steht hier eine grüne Hecke.

Donnerstag, 6. August 2015

Palikulo nach Sandwich

Mittwoch, 05. August 2015, von Palikulo Bay (Santo) nach Port Sandwich (Malakula), 88 sm

Denn erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt! Es geht schon mal damit los, dass uns der Tag mit Nieselregen erwartet. Im weiteren Verlauf des Tages erleben wir dann, dass man dieses Wetter mit Gribfiles einfach schlecht vorhersagen kann, denn der Wind kommt aus allen Richtungen, nur nicht den vorhergesagten. Zunächst haben wir Südwest, dann Südost. Auf den für den ganzen Tag angesagten Ostwind können wir lange warten. Zwischen 6 und 18 Knoten kriegen wir jede Menge Windstärkenänderungen und genausoviele Winddrehungen. Meistens haben wir Groß und Genua voll draußen, hin und wieder reffen wir das Groß bis zur Hälfte weg. Das einzige, was so ist, wie vorausgesehen: Wir fahren immer hoch am Wind. Der Track mit den vielen Bögen spiegelt die Winddrehungen gut wider.

Ankerauf um 6 Uhr. Als wir die Bucht verlassen, beträgt die Sicht weniger als eine Seemeile. Etwas später fängt es stärker an zu regnen, aber im Laufe des Tages haben wir auch schöne Segelmomente. Zeitweilig machen wir 8 kn durchs Wasser. Die Winddrehungen sind eine Zitterpartie, denn in Abhängigkeit davon verlängert oder verkürzt sich die Reisedauer. Im Optimalfall, der Wind dreht auf NE, kämen wir mit einer Wende klar und wir wären vor Mitternacht am Ziel. So sieht es zeitweilig aus. Dann dreht der Wind um 40 Grad gen Süd und schon verlängert sich die Tour um mehrere Stunden.

Die Hana Iti ist heute direkt von der Peterson Bay ausgelaufen, also gut 2 Stunden später, als wir. Wir sind immer in Funkkontakt und später sehen wir uns auch, zunächst in einigen Meilen Abstand. Die Amel läuft bei wenig Wind nicht gut und so motoren Didier und Marie-Luce sehr viel und kommen uns deshalb näher und überholen uns schließlich, als der Wind schwächer wird. Als wir der Insel Malakula bis auf 1,5 Meilen nahe gekommen sind, und wenden müssen, dreht der Wind plötzlich auf Südwest, so dass wir plötzlich wieder unseren Zielkurs anliegen können, allerdings auf dem anderen Bug. Das währt aber nicht lange, denn bald schläft der Wind ein, so dass wir die letzten 20 Meilen unter Maschine fahren, weswegen wir dann doch noch zu einer halbwegs vernünftigen Zeit ankommen. Um Punkt Mitternacht fällt der Anker an exakt der Stelle, wo wir schon einmal gelegen haben, etwa 50 Meter hinter der Hana Iti. Wir liegen hier im Windschatten der Insel und es ist mucksmäuschenstill, bis auf die Hähne, die m.E. etwas zu früh krähen, denn eigentlich sollten die doch jetzt auch schlafen.

Track Palikulo nach Port Sandwich

Die roten Pfeile zeigen die zwei Wenden, die wir heute gefahren haben. Kurz nach der zweiten Wende haben wir den Motor angeworfen, weil der Wind einschlief. Die Biegungen des Tracks spiegeln exakt die Winddrehungen des heutigen Tages wider, denn wir sind permanent hoch am Wind gesegelt.

Dienstag, 4. August 2015

Back to Palikulo Bay

Dienstag, 04. August 2015, von der Peterson Bay zur Palikulo Bay, Santo, Vanuatu. 9 sm

Um 0620 ist der Anker aus dem Grund. 10 Minuten später sind wir – 40 Minuten vor Hochwasser – auf der flachsten Stelle der Ausfahrt zwischen den ersten Markern. Wir fahren im Standgas, gegen den Wind sind das heute etwa 2,5 Knoten, aber zur Besorgnis gibt es keinen Anlass, denn wir sind immer noch relativ kurz nach Vollmond, so dass das Wasser höher steht als beim Reinfahren, und wir an der knappsten Stelle immer noch 70 cm zwischen Kiel und Korallen haben.

Unser Plan ist, hinter der vorgelagerten Insel Aesi zu ankern. Dann hätten wir morgen früh den kürzesten Weg ins offene Wasser. Aber der Ankerplatz gefällt uns nicht wegen des Korallenschrotts am Boden und einiger Bommies (Korallenköpfe), an denen die Kette entlangruckelt und dabei gerne die Verzinkung einbüßt. Also fahren wir noch drei Meilen weiter, wieder in die Palikulo Bay, die wir ja schon kennen und wo wir heute das einzige Boot weit und breit sind. Wir ankern um 0850 auf 14 m Sand und liegen wie in Abrahams Schoß.

Es ist schwierig, ein gutes Wetterfenster für die Fahrt nach Südosten zu erwischen, aber morgen scheint es doch zumindest eine gute Chance zu geben, dass wir mit relativ wenigen Kreuzschlägen, allerdings trotzdem immer hoch am Wind, über die Runden kommen. Wenn die Winddrehungen und die Windstärke so stattfinden, wie vorhergesagt, werden wir 102 Seemeilen fahren müssen. Auf direktem Weg wären es nur 65. Mal schauen, wie’s kommt. Verpflegungsmäßig sind wir jedenfalls gut versorgt, denn Christine backt heute einen Kuchen und kocht einen großen Eintopf für die Seefahrt.

Am Nachmittag ringe ich mich mal wieder zu einer Yoga-Runde durch, weil das Boot ruhig liegt und auch der Wind nicht mehr so heult (und die Matte wegfegt). Allerdings muss ich zweimal wegen einsetzenden Regens unterbrechen. Mein Rücken spielt mir heute jedenfalls keine Streiche, aber ich stelle schon fest, dass eine Session pro Woche eigentlich zu wenig ist.

Route Palikulo nach Port Sandwich

Die Routenplanung für den morgigen Törn. Wir starten beim oberen roten Pfeil und wollen zum unteren. Der Wind soll im Laufe des Tages von 115 Grad auf 90 Grad drehen und wenn alles so kommt, würden 3 Wenden reichen, um uns ans Ziel zu bringen. Der direkte Weg wären 65 Meilen, die blaue Route ist 102 sm lang. So viele Meilen sind wir noch nie am Stück hoch am Wind gesegelt. Wahrscheinlich werden wir mitten in der Nacht am Ankerplatz sein. Aber das Wetter kann auch ganz anders sein, denn bei der derzeitigen Konstellation sind die Prognosen sehr unsicher.

Montag, 3. August 2015

Noch ein Abschied

Samstag, 1. August 2015, Peterson Bay, Santo, Vanuatu. Admin und Fehlersuche

Den Tag verbringen wir überwiegend an Bord, und zwar mit Administrationsaufgaben und u.a. auch der Suche nach dem Fehler bei dem nicht funktionierenden Ankerlicht. Aber unter Deck sind alle Steckverbindungen in Ordnung, so dass das Problem vermutlich doch oben im Mast zu suchen ist. Vielleicht hatte ich ja nur einen ungenügenden Kontakt mit dem Messgerät hergestellt, als ich mit den Messspitzen die Drahtummantelung durchgepiekst hatte. Werde ich also wohl noch mal auf den Mast müssen, aber damit muss ich warten, bis weniger Wind herrscht und es nicht regnet. Davon gibt es heute nämlich immer mal wieder eine Prise.

Am Abend treffen wir uns in großer Runde (Hana Iti, Felice, Elan, Gipsy IIII) zum Pizzaessen im Oyster Resort, die heute noch durch ein schweizer Paar, Elfriede und Bruno, erweitert wird, das schon zehn Jahre lang in Vanuatu segelt und hier in der Peterson Bay eine eigene, cyclonesichere Mooring installiert hat. Entsprechend viel können die beiden über Vanuatu erzählen, wobei wir durchaus Dinge erfahren, die wir uns aufgrund unserer eigenen Eindrücke bisher nicht haben vorstellen können. Obwohl die Bevölkerung Vanuatus in zwei Surveys als das glücklichste Volk auf Erden ermittelt wurde, scheint es auch hier Neid und Missgunst zu geben. Da Landbesitz in keinem Katasteramt registriert wird, hilft es manchmal, einen Verwandten umzubringen, um in den Besitz des Grunds zu kommen. Eine beliebte Methode ist dabei offenbar das Vergiften. Mitten zwischen der grünen Kresse, die auf den so schön klares Wasser führenden Flüssen an der Oberfläche wächst, gedeiht der Erzählung zufolge ein anderes, hochgiftiges Blattgewächs. Ein paar Blätter, kleingeschnipselt, in die Spaghettisauce, und schon isser hin, innerhalb von 24 Stunden.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA 

 

Sonntag, 02. August 2015, Peterson Bay, Santo, Vanuatu. Viel Wind am Ankerplatz

Gestern hatte ich noch 10 Meter Kette mehr gesteckt, weil der Wind über Nacht und heute in den Böen 30 Knoten errreichen soll. Es pfeift tatsächlich ordentlich in der Takelage, aber das Boot liegt geschützt und ruhig. Heute ist das WLAN des Oyster Resorts, das wir hier mit unserer Antenne auf dem Geräteträger recht gut empfangen und mittels eigenem WLAN an Bord weiterverteilen können, relativ flott, so dass ich eine ganze Menge Sicherheitsupdates herunterlade. Dauert trotzdem ein paar Stunden.

Der Wetterbericht hat sich für die nächsten Tage leider insofern geändert, dass wir nun am Mittwoch nicht mehr mit einem Nordostwind rechnen können, den wir gerne gehabt hätten, um uns wieder nach Süden bewegen zu können. Stattdessen bleibt es bei Südost. Allerdings lässt der Wind nach, so dass wir uns überlegen, entweder unter Maschine oder kreuzend den Rückweg anzutreten, was einer Verdoppelung des Weges entsprechen würde.

 

Montag, 03. August 2015, Peterson Bay (Oyster Island), Santo, Vanuatu. Einkaufen in Luganville. Abschied, die dritte, von Felices

Weil wir morgen früh mit dem ersten Büchsenlicht rechtzeitig vor dem Hochwasser um 0710 von hier aufbrechen wollen, fahren wir noch einmal nach Luganville, um unseren Lebensmittelvorrat aufzustocken. Wir landen zunächst wieder im Attar Cafè (der Laden mit dem Papagei und dem guten Cappuccino), wo sich kurz danach auch noch die Elans zu uns gesellen. Gegen Mittag klappern wir dann den Markt, einen Schlachter und einige Supermärkte ab, bis wir alles beisammen haben. Vor allem brauchen wir viel Nudeln, denn heute Morgen mussten wir 3 Pakete Barilla Spaghetti entsorgen, weil sie mal wieder von kleinen Viechern befallen waren. Nachdem uns das schon mehrfach – immer nur bei Barilla Nudeln – passiert ist, haben wir uns jetzt vorgenommen, nur noch Pasta anderer Marken zu kaufen. Jedenfalls so lange, wie wir in südlichen Gefilden unterwegs sind.

Auch auf dem Rückweg nehmen wir heute wieder den „Bus“. Nachdem in der Früh mehrere dieser Sammeltaxis vollbesetzt an uns vorbeigefahren waren und wir lange auf eines mit etwas Platz für uns Fünf warten mussten, haben wir nun einen kompletten Pickup mit Holzbänken für uns allein.

Am Abend treffen wir uns zum Sundowner zum letzten Mal im Oyster Resort. Von den Felices haben wir ja uns schon ein paar Mal verabschiedet, aber nun gehen unsere Wege wohl definitiv auseinander, denn Conny und Wolfgang wollen direkt nach Port Moresby (Papua Neuguinea) segeln und wir in die entgegengesetzte Richtung. Sie haben über 1200 Meilen vor sich, wir zunächst deutlich weniger. Dafür passt für die beiden aber die Windrichtung deutlich besser. Auch von Dörte und Frank verabschieden wir uns, denn die Elan will zunächst noch weiter nördlich segeln (und später nach Australien unter Auslassung von Neukaledonien). Der Hauptdarsteller von Peterchens Mondfahrt mit dem hochadeligen und ewig langen Namen und seine Frau haben unsere deutschsprachige Gruppe in den letzten Tagen mit interessanten Erzählungen und ganz generell bereichert.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Der Fahrer auf dem Hinweg ist flott unterwegs und es luftet ganz schön auf der Ladefläche

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Auf dem Rückweg haben wir den “Bus” ganz für uns allein

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

P8038134

Hier trennen sich die Wege. Die Felices fahren morgen nach Norden, wir nach Süden

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Die Hana Itis und Elans bleiben wohl noch einen Tag, dann geht es auch für sie in unterschiedliche Richtungen