Sonntag, 13. Mai 2012

Genua zum Segelmacher

Freitag, 11. Mai 2012, Sunbay Marina, Vorliek Genua wird gekürzt

Gleich um 8 radele ich zum Segelmacher, um zu fragen, ob er heute das Vorliek unserer Genua kürzen kann. Das ist erforderlich, weil das Aluminiumprofil, in dem das Segel vorn geführt wird, etwas zu kurz ist (oder sich das Vorliek des Segels im Laufe der Zeit etwas gestreckt hat). Damit besteht das Risiko, dass der Drehbeschlag, an dem das Segel mit dem Fall noch oben gezogen wird, aus dem Profil herausrutscht. In dem Fall lässt sich das Segel nicht mehr herunterholen und wenn es blöd hergeht, auch nicht mehr aufrollen (was auf See ein Sicherheitsrisiko ist). Also muss das geändert werden.

Tatsächlich habe ich Glück und kann das Segel hinbringen. Ian hilft mir beim Bergen, aber ich muss zwei mal in den Mast, bevor es sich niederholen lässt. Beim ersten mal liegt der Grund darin, dass die Rigger ein Bändsel um die Genua geknotet und vergessen hatten, es wieder wegzunehmen. Damit ließ sich das Segel nicht vollkommen ausrollen und ergo kann es auch nicht fallen. Als das gelöst ist, kommt das nächste Problem. Der Drehbeschlag hat schon genau das getan, was zu befürchten war. Zur Hälfte aus dem Profil herausgezogen, verkantet er nun und verhindert, dass das Segel nach unten kommen kann. Also nochmal rauf. Diesmal ganz nach oben.

Die Genua packe ich auf einen Handkarren der Marina und ziehe das Ding wie zu Väters Zeiten bergauf, bergab bis zum Sailmaker. Ist glücklicherweise nur ein guter Kilometer, aber ich schwitze ganz schön, als ich ankomme. Nachmittags das ganze Retour. Das Vorliek ist um 14 cm kürzer geworden. Dazu musste die vordere Kante des Segels mehrere Meter, fast bis zur Hälfte der Gesamtlänge, aufgetrennt und wieder neu vernäht werden, damit der Segelschnitt nicht beeinträchtigt wird. Ein paar Nähte werden auch noch nachgearbeitet. Ian hilft beim Setzen, was deutlich flotter geht, als das Bergen am Vormittag. Zwischendurch helfe ich ihm auf seinem Schiff, ihn mit der Ankerwinsch in den Mast hochzuziehen. Da er keine Stufen hat, ist diese Prozedur deutlich langwieriger, als bei mir, zumal er auch noch mit zusätzlichen Sicherheitsleinen arbeitet.

Es stehen noch diverse Kleinigkeiten auf dem Programm. Am Abend gehe ich mit Ian in die El Chico Marina zum Essen. Wir laufen 40 Minuten, trinken ein paar Bushwacker und bekommen ein hervorragendes Grouperfilet. Dieser Fisch ist unglaublich zart und zergeht fast auf der Zunge. Ich bestelle ihn heute mit Knoblauchsauce, frischem Salat und Rice and Beans. Unser Rigger taucht auch noch auf mit seiner Frau. Als ich wieder an Bord komme, habe ich das Gefühl, mein Laufpensum für heute wirklich erledigt zu haben.

 

 011a genua im karren

Da ich kein Auto habe, muss ich das Segel mit dieser Karre zum Sailmaker bringen

011b genua setzen

Vorliek um 4 inches gekürzt. Jetzt wird es wieder gesetzt, was bei 10 Knoten Wind und passender Richtung ganz gut geht

 

 

Samstag, 12. Mai 2012, Sunbay Marina, ein Tag an Bord

Ich richte den Tag danach aus, am Nachmittag einen Probeschlag mit Quino, dem Rigger zu segeln und mache die Gipsy seeklar. Es geht darum, festzustellen, ob das Achterstag noch weiter durchgesetzt werden muss, um das Vorstag stärker zu spannen. Aber wie so oft, sind die Aussagen von Handwerkern, was ihre Termine angeht, nicht verlässlich. Er ist mit den Arbeiten auf einem anderen Boot, die er eigentlich bis mittags hatte abschließen wollen, nicht fertig geworden und so wird heute nichts aus dem Segeln.

Ich erledige ein paar kleinere Arbeiten auf und unter Deck, ansonsten lese ich im Cockpit einen spannenden Roman (Das Herz des Jägers), den ich ohnehin kaum aus der Hand legen kann.

 

 012a pelikan auf bugkorb

 

012b pelikan im flug

Freitag, 11. Mai 2012

Kutterstag wird fertig

Mittwoch, 9. Mai 2012, Sunbay Marina, Zahnarzt und Kutterstag

Der Zahnarztbesuch ist das reine Frusterlebnis. Um der erste zu sein, der drankommt, bin ich auf Anraten des Zahnarztes tatsächlich schon um kurz vor 8 vor der Praxis. Dazu ist es erforderlich, um 6 Uhr aufzustehen, wenn ich mir ein gemütliches Frühstück gönnen will. Um halb acht schwinge ich mich aufs Fahrrad und radle los. Es dauert etwas, bis ich die richige Adresse gefunden habe, aber die Tatsache, dass ich tatsächlich als erster da bin, beruhigt mich etwas.

Ich verbringe mehr als eine Stunde sitzend auf den Stufen vor der Praxis, bevor uns eine Helferin um 9 Uhr ins Wartezimmer einlässt. Bewaffnet mit iPhone und einem Roman wird es mir zumindest nicht langweilig. Der Dentista lässt sich aber Zeit. Um viertel vor Zehn, ich warte nun also schon seit zwei Stunden, ist er bereit. Mein Ärger wächst, als ich ziemlich bald mitkriege, dass das nun wieder der falsche Spezialist ist. Der Endodontologe, zu dem mich der vorherige Zahnarzt geschickt hatte, ist nämlich ausschließlich auf Wurzelbehandlung ausgerichtet, ich brauche aber offenbar einen Paradontologen, also einen "Zahnfleischfritzen". Bei der Menge an Leuten, die da nach mir noch im Wartezimmer sitzen, macht mich das Geschwätz des Doktors (der ist wirklich Dr. dent), dass mit meinem Problem wenig zu tun hat, halb wahnsinnig. Ich bekomme quasi die gleiche Auskunft wie schon beim letzten Zahnarzt, aber eine Behandlung erfolgt nicht, gar nicht, niente, nada. Dafür erscheinen mir selbst 40 Dollar zu viel, die ich abdrücken muss. So ein Scheiß System. Kein Wunder, dass in Amerika die Gesundheitskosten extrem hoch sind, wenn so viele verschiedene Zahnärzte ihr Geld mit ihrem Spezialeinsatz verdienen wollen.

Über die Mittagszeit winsche ich Ian in den Mast seiner Misty Blue, damit er die Verkabelung seines nicht mehr funktionierenden Windmessgeräts überprüfen kann. Es stellt sich heraus, dass die Verbindungsstecker total korrodiert sind und ausgetauscht werden müssen.

Am Nachmittag um halb zwei tauchen die Rigger wieder auf, diesmal in voller Besetzung, drei Mann hoch. Der Decksbeschlag wird endlich montiert, das Stag geriggt und auch das kurze Stag unter Deck kommt an seinen Platz. Ganz abschließen können sie die Arbeiten noch nicht, weil ein paar Kleinteile fehlen. Die Truppe ist 3 Stunden da, die meiste Zeit mit drei Personen.

Als sie um 17 Uhr abrauschen, mache ich mich an die Arbeit. Endlich kann ich auch mal was tun. Die Bretter unter der Matratze und unter der Decke müssen Ausschnitte bekommen für das Stag unter Deck. Als ich damit fertig bin, ist es dunkel.

Nach einer Dusche begebe ich mich auf die Misty Blue, auf der Ian, Varny und Gregg so etwas wie eine Geburtstagsparty für Varny feiern, die heute ihren Ehrentag hat. Ich bringe eine Flasche Wein und ein paar Cracker mit und wir haben einen tollen Abend mit rapide ansteigendem Blutalkoholpegel. Ian hat eine CD, auf der ausschließlich Geburtstagssongs trällern, u.a. auch einer meiner Lieblingssongs von Stevie Wonder "Happy Birthday". Die Luft ist lau, die Stimmung ist super. Als erste verabschiedet sich Varny, dann Gregg (mit den Worten, er müsse schließlich noch seinen Geburtstagssexverpflichtungen nachkommen). Um zehn haue ich auch ab und drehe den Computer auf, um mein Logbuch zu schreiben.

 

09a rigger unter deck

Die Burschen kommen ganz schön ins Schwitzen. Größtes Problem ist die Montage des Decksbeschlags mit anständiger Konterung von unten

09b rigger an deck

Montage an Deck

09c stag unter deck oben

Das war das größte Problem: Herstellung und Fixierung des Decksbeschlags unter Deck. Es ist nicht viel Platz und die Arbeit über Kopf ist anstrengend

09c stag unter deck unten

Stag mit Wantenspanner unter Deck

09d stag unter deck

Fertig. Die Ausschnitte im Boden- und Deckenbrett sind erforderlich, damit beide wieder an ihren Platz kommen können

 

Donnerstag, 10. Mai 2012, Sunbay Marina, Kutterstag fertig

In der Nacht und den ganzen Morgen über regnet es. In der Dämmerung des anbrechenden Tages sogar mit Donner und Blitz. Hier in der Marina, mit dem Berg nebenan, habe ich keine Befürchtungen, dass ein Blitz einschlagen könnte. Auf See sähe das schon anders aus.

Am Vormittag beschäftige ich mich am PC mit der Planung für den Schlag nach Süden. Wenn das Wetter passt, soll es Mitte nächster Woche losgehen. Am Nachmittag finalisiert Quino die Riggerarbeiten. Er würde gerne noch einen Probeschlag mit mir machen, um zu sehen, ob das Achterstag noch nachgespannt werden muss, was man nur beim Segeln sehen kann. Bin gespannt, ob sich das für ihn ausgeht, denn er hat vorher noch ein ähnliches Projekt an diesem Tag. Trotz der vielen Stunden, die er mit unserer Aktion zugebracht hat, bleibt er beim Preis des Kostenvoranschlags.

 

010a kutterstag fertig

Das Kutterstag mit Furlex (Rollfockeinrichtung) ist fertig montiert

Mittwoch, 9. Mai 2012

Nicht viel los

Sonntag, 6. Mai 2012, Sunbay Marina, Ronald allein zu Haus

Es ist schon seltsam, allein aufzuwachen und zu frühstücken. Da Ian mit Varny und Gregg gestern zu einem Inselausflug aufgebrochen sind, ist nichts los auf unserem Steg, bis auf die paar Wochenendmotorbootfahrer, von denen ich aber nicht viel mitbekomme.

Um zehn bringe ich das Auto zum El Conquistador; auf dem Rückweg steige ich schon beim Skipper Shop aus, um deren Sortiment noch einmal genau zu studieren, ohne dass ich etwas kaufe. Dann fülle ich das offene Bohrloch vorn im Deck, in dem zuvor eine nun nicht mehr benötigte Schraube für ein Decks-Auge steckte, mit Epoxy und klettere anschließend in den Mast, um mir einmal genau anzusehen, wie Quino dort oben den Beschlag fixiert hat. Sieht alles ganz ordentlich aus. Auch alle Lichter im Masttop brennen noch, auch die Windmessanlage funktioniert. Beim Bohren der Löcher für die Nieten sind also keine Kabel durchtrennt worden.

Mittags gibt es einen griechischen Salat. Den Nachmittag verbringe ich mit Lesen an Deck.

 

07a mastbeschlag eingebaut

Der Mastbeschlag ist eingenietet

07b ddock von oben

Blick auf die Misty Blue (das Schiff hinter dem Fahrrad), das übernächste Boot ist die Indi

 

 

Montag, 7. Mai 2012, Sunbay Marina, nach Hause telefonieren

Der Vormittag ist ausgefüllt mit Anrufen in die Heimat. Skype machts möglich, dass auch stundenlanges telefonieren erschwinglich ist, selbst wenn man in Festnetze oder auch mal Mobilfunknetze hinein muss.

Quino schaut um 10 vorbei, um den Decks-Beschlag noch mal abzuholen und das kurze Stag unter Deck auszumessen. Eigentlich sollte am Nachmittag dann alles assembled werden, aber er taucht nicht mehr auf, weil ihn ein anderer Auftrag länger beschäftigt hat, als geplant.

Am Abend fahre ich mit Ian, Varny und Gregg in deren Leihwagen zum Essen, und zwar in das uns schon mehrfach empfohlene Restaurant "La Parilla" am Ende der langen Kiosquo Reihe hinter Luquillo. Dort bieten 50 Restaurants, direkt zwischen Hauptstraße und Strand, wie an einer Schnur aufgefädelt, ihre Gerichte an. Die meisten von ihnen allerdings typisch amerikanische Speisen, bei denen viel frittiert wird. Das La Parilla ist eine Ausnahme und bietet excellente Küche. Ich bestelle Grouperfilet, gefüllt mit Krabben, überbacken mit Parmesan. Dazu süße Planteens. Das sind die etwas größeren und festeren Bananen, die in verschiedener Form zum Speiseplan hier in der Karibik gehören. Ausgezeichnet.

 

 

Dienstag, 8. Mai 2012, Sunbay Marina, warten auf die Rigger

Die Rigger kommen, wie ausgemacht, kurz nach 11 an Bord. Aber der Decksbeschlag passt immer noch nicht. Die Konterplatte, die unter Deck die Kraft aufnehmen muss, ist zu lang, so dass die Schrauben nicht die Löcher treffen. Also rauscht die ganze Mannschaft wieder ab. Sie machen eine Schablone aus Pappe für ein neues Teil, was hergestellt werden muss. Sie wollen nachmittags zurückkommen, woraus allerdings wieder nichts wird. Hatte ich eh schon befürchtet.

So lange ich auf die Jungs warte, vertreibe ich mir die Zeit mit lesen. Das Wetter ist prima. Sonennschein und wenig Wind. Hoffentlich passt der Beschlag morgen. Wenn sie gleich nach meiner Zeichnung gearbeitet hätten, hätten sie sich den ganzen Zusatzaufwand ersparen können.

Um 17 Uhr gehe ich rüber zu Ian und biete ihm an, dass ich ihn nun nochmal in den Mast hochwinschen könnte. Wir verschieben das aber auch auf morgen. Statt dessen mixt Ian ein paar Sundowner. Da er eine Kühltruhe hat, gibt es echte Cocktails mit Eis. Nach dreien davon (Margaritas und Cuba Libra) bin ich ziemlich Hacke. Um 20 Uhr begebe ich mich zurück auf die Gipsy. Es war ganz nett. Ian und ich liegen ziemlich auf einer Wellenlänge und von ihm kann man eine ganze Menge lernen.

 

08a rigger crew

Die Rigger-Crew beratschlagt auf der Pier. Wenn sie sich an ihren Kostenvoranschlag halten. machen sie ein schlechtes Geschäft. Sie haben schon enorm viel Stunden investiert

Sonntag, 6. Mai 2012

Christine geht von Bord

Freitag, 4. Mai 2012, Sunbay Marina, Christine packt

Morgens kommt Quino vorbei und bringt unser neues Kutterstag und Rollfock-Equipment. Die Sendung ist immerhin von Schweden per Normalfracht in 3 Tagen hier gewesen, allerdings um den Preis von 200 Dollar. Der Tag vergeht mit ein paar Kleinigkeiten, u.a. dem schneiden eines rechteckigen Lochs ins Deck, um dort den Beschlag für das Kutterstag durchführen zu können.

Am Abend bin ich dann ziemlich verärgert, weil einige Details dieses Beschlags nicht so ausgeführt wurden, wie ich es gewollt hatte. Da liefere ich eine exakte Zeichnung, aber der Mechanikershop bekommt die Anweisungen "frei Schnauze", was u.a. dazu führt, dass die Bohrlöcher der unteren und oberen Edelstahlplatte nicht mehr übereinanderliegen, weil die große Ausnehmung für die untere Platte falsch gelasert wurde. Müssen sie halt nacharbeiten.

Ansonsten bestimmt nun schon langsam der Trennungsschmerz unseren Tag. Christine packt am Nachmittag ihre große Reisetasche, die am Ende knallevoll wird. Sie darf nur 23 kg Gepäck aufgeben, jedes Kilo mehr kostet 20 Euro. Eine Waage haben wir nicht an Bord, aber wir sind ziemlich sicher, dass mehr als das erlaubte Gewicht drin ist.

Am Abend kommt Ian auf einen Drink vorbei (den er selbst mitgebracht hat) und Varny und Gregg fragen uns, ob wir mit Essen gehen wollen, aber uns ist heute nicht danach. Also verbringen wir den letzten Abend gemeinsam an Bord.

 04a selden furlex

Die Rollfockeinrichtung für das Kutterstag ist eingetroffen

04b masteschlag

Dieser Beschlag kommt in eine ausgestanzte, schon vorhandene Öffnung kurz unterhalb des Masttops

04c reisegepaeck

Die Capitana packt ihre Siebensachen

04d decksbeschlag

Decksbeschlag für das Kutterstag. Bei 4 cm Decksstärke muss doch jedem sofort klar sein, dass sich die durchgehenden Schrauben so nicht in die vorgebohrten Löcher bringen lassen. Jedenfalls nicht, wenn sie senkrecht durchs Deck gehen sollen (was selbstverständlich der Fall ist). Also muss hier nachgearbeitet werden.

 

 

Samstag, 5. Mai 2012, Sunbay Marina, Christine reist heim

Nun wird es langsam ernst. Gemeinsames Frühstück im Cockpit, es ist schon um 8 Uhr sehr heiß. Kein Lüftchen regt sich, die Sonne brennt und steht noch so tief, dass unser Bimini keinen brauchbaren Schatten wirft. Während wir die letzten Kleinigkeiten besprechen und auf den Leihwagen warten, kommen die Rigger und arbeiten im Mast. Dort muss der Beschlag eingenietet werden, der das Kutterstag mit dem Mast im Top verbinden wird.

Der Fahrer, der uns das Auto bringt, ist pünktlich um 11 da. Wir fahren mit ihm zum El Conquistador Hotel, um dort die Vertragsgeschichten zu erledigen und machen uns um halb zwölf auf den Weg nach San Juan. Es sind kleine 53 Kilometer, nach einer Stunde sind wir da. Weil wir immer genug Sicherheit für Eventualitäten einplanen, haben wir nun noch 4 Stunden Zeit bis zum Abflug. Der Condor Schalter ist noch nicht offen und so essen wir erst einmal zu Mittag. Um 1330 kann Christine dann einchecken. Ihre große Tasche kommt auf die Waage. Diese zeigt 30,4 kg an. Au ha, denke ich, das kann jetzt 160 Euro kosten, wenn es blöd hergeht. Die Typen hinter dem Schalter diskutieren kurz, aber dann ist schnell klar, dass wir ungeschoren davonkommen. Der freundliche Angestellte macht uns auf das Übergewicht aufmerksam: Wir müssen damit rechnen, andernorts draufzahlen zu müssen, aber da das Gepäck bis Zürich durchgecheckt ist, wird wohl nichts mehr schief gehen.

Noch ein Gang über den Flughafen und zu den Ankunftshallen, ein Kaffee in einem Cinnamon Shop (alles irgendwie mit Zimt versetzt, nur den Kaffee kann man auch "ohne" kriegen), die Uhr tickt. Wir sind beide etwas traurig und haben einen Kloß im Hals. Als ich Christine dann am Gate verabschiede, kullern auch ein paar Tränen.

Um 15 Uhr verlasse ich das Parkhaus und fahre in ein gewaltiges Gewitter hinein. Jede Menge Regen, man kann teilweise kaum mehr als Schritttempo fahren. In Fajordo kaufe ich noch etwas Obst und Gemüse ein. Als ich aus dem Laden komme, ist es 1625; wenn Christines Flieger pünktlich ist, müsste er jetzt abheben. Dann hat sie einen kurzen Zwischenstop in Antigua, der Insel, wo wir unseren Landfall nach der Atlantiküberquerung am 21. Dezember 2010 hatten. Die Maschine geht weiter nach Frankfurt. Dann umsteigen nach Zürich. Wenn alles pünktlich klappt, kommt sie dort um 13 Uhr an.

An Bord anzukommen und allein zu sein, ist ungewohnt und fühlt sich nicht besonders gut an. Einhandsegeln wäre definitiv nichts für mich. Wir sind insgesamt fast zwei Jahre gemeinsam mit der Gipsy IIII unterwegs gewesen. Wenn man die 3 Monate, die wir im vergangenen Jahr zu Hause waren, abzieht, haben wir 562 Tage an Bord verbracht. Es war eine sehr schöne Zeit, in der wir viel erlebt und gesehen haben, und es ist schade, dass sie nun zu Ende geht. Aber so, wie Christine für meine Leidenschaft Verständnis aufbringt, kann ich auch nachvollziehen, dass für sie das Leben an Bord insgesamt doch mit mehr Mühen und Ängsten verbunden ist, als dauerhaft zumutbar sein kann. Ich bin ihr unendlich dankbar dafür, dass sie so lange durchgehalten hat.

 

05a abschiedsfruehstueck

Letztes gemeinsames Frühstück im Cockpit. Heute ist es um diese Zeit schon richtig heiß

05b abmarschbereit

Abmarschbereit

05c auf der pier

In der Sunbay Marina mit Blick auf das D-Dock

05e letzter blick zurueck 

Letzter Blick zurück. Der Mast der Gipsy IIII ist gut zu identifizieren, weil der Rigger im Top arbeitet

P5054684

05f kaffee am flughafen

Kaffee aus Styroporbechern im Flughafen. Noch einmal lächeln für die Kamera, obwohl uns im Augenblick nicht danach zu Mute ist

05g ab ins gate

Bye, bye

05h kutterstag auf der pier  

Als ich um kurz vor fünf an Bord zurück komme, liegt unser neues Vorstag samt Profil auf der Pier. Eigentlich hatte es heute schon oben angeschlagen werden sollen, aber wahrscheinlich sind die Jungs vom Gewitter überrascht worden und haben die Arbeit für heute vorzeitig beendet.

Freitag, 4. Mai 2012

Drei Tage Werftaufenthalt

Dienstag, 1. Mai 2012, Transfer zur Isleta Marina, Salomon Yacht Repairs

Hier ist der 1. Mai offenbar kein Feiertag, jedenfalls wird voll gearbeitet. Deshalb verlassen wir um 0830 unseren Liegeplatz in der Sunbay Marina und fahren die halbe Meile hinüber zur Werft in der Isleta Marina. Ian ist mit an Bord und hilft beim Linehandling. Die Jungs von Salomon Yacht Repairs stehen parat und fangen gleich an, alles abzukleben, um im Bug das GFK freizulegen. Dazu ist schleifen erforderlich und das macht man hier mit der Flex. Oben aufs Luk kommt ein großes Gebläse, unten im engen Vorschiff arbeitet der Mann mit der Flex gleichzeitig auch mit einem Staubsauger. Anschließend wird ordentlich sauber gemacht. Mittags sind sie damit fertig. So weit, so gut.

Nicht so gut ist, dass unser Rigger den einzulaminierenden Beschlag noch nicht gebracht hat. Liegt angeblich an zwei Missgeschicken. Erstens ist ihm sein Smartphone ins Wasser gefallen und er musste sich zunächst einmal wieder organisieren. Zweitens hat der Metal Shop, der den Edelstahl zusammenschweißen sollte, einen totalen Stromausfall gehabt und deshalb musste eine andere Firma beauftragt werden. Ergebnis des ganzen: Heute geht nichts mehr weiter. Das bedeutet wohl einen weiteren Tag hier in der Werft. Christine ist stinksauer.

Obwohl wir in der Werft liegen, müssen wir Liegegebühren an die Marina bezahlen. Der Deal lautet so, dass wir für 2 Tage bezahlen, unabhängig davon, wie lange wir hier wirklich bleiben müssen. Für das Liegegeld wird nicht viel geboten. Duschen und Toiletten gibt es nur für Dauerlieger, also nicht für uns. Und das Werftgelände wird um 16 Uhr abgesperrt, d.h. wir sind für die Nacht in diesem Gelände eingeschlossen und können nicht einmal mit der kleinen Fähre an Land fahren (ginge natürlich schon, wenn wir das Dinghy zu Wasser lassen würden und die 50 Meter bis zur Fähre paddeln oder motoren würden). Wir hoffen, dass Quino morgen früh mit dem Beschlag auftaucht.

 

01a gipsy4 am Salomon Dock

Die Pier der Werft ist nicht besonders komfortabel. Durch den leichten Schwell ruckt das Schiff ordentlich an den Leinen. Hier werden gerade vorbereitende Arbeiten für das Wegschleifen des Gelcoats im Vorschiff durchgeführt

01b luefter auf luke

Der große Ventilator saugt die staubige Luft aus der Vorschiffskabine nach draußen

 

 

Mittwoch, 2. Mai 2012, Isleta Marina, Beschlag im Bug wird laminiert

Eigentlich hätte ich heute früh schon zeitig beim Zahnarzt auftauchen sollen, aber die Jungs hier ohne Aufsicht zu lassen, wenn sie den Beschlag an der richtigen Stelle im Vorschiff einlaminieren müssen, mag ich auch nicht. Also rufe ich den Zahnarzt an und frage, ob ich nicht am Nachmittag kommen kann. Ganz erschließt es sich mir nicht, warum das nicht gehen sollte, wenn er 10 Patienten am Tag behandelt und 9 davon schon um neun Uhr morgens im Wartezimmer sitzen. Damit ich also nicht den ganzen Tag dort verbringe, will er mich um 14 Uhr anrufen, ob es noch Sinn macht, dass ich komme. Sonst nächste Woche Mittwoch.

Die Arbeiten im Vorschiff verzögern sich, weil es gegen Mittag kräftigen Regen mit Blitz und Donner in unmittelbarer Nähe gibt. Da man nicht von innen in die vordere Kabine kommt (weil abgeklebt), sondern nur durchs Luk, was wegen der Poyesterdämpfe offen bleiben muss, gibt es eine längere Unterbrechung. Aber um 14 Uhr geht es weiter und nach einer Stunde sind die ersten 8 Lagen Glasfasermatten verarbeitet. Der zweite Teil kommt morgen, denn man darf nicht zu dicke Materialstärken in einem Arbeitsgang laminieren. Der Zahnarzt ruft mich tatsächlich um Punkt zwei an. Es macht keinen Sinn, dass ich noch komme. Er habe zu viel zu tun und ich wolle ja sicher nicht erst am späten Abend behandelt werden, wenn er schon wie ein Zombie herumlaufe. Da es regnet, habe ich eh keine Lust mehr, mich erst auf die Fähre und dann aufs Fahrrad zu schwingen.

Die Warterei hier an Bord ist etwas nervig, denn man kann auf dieser Mini-Insel nicht viel machen, zumal bei dem gewittrigen Wetter. Im Salon beschäftige ich mich mit der Zeichnung des Beschlags, der die Verbindung zwischen dem Kutterstag und dem Stag unter Deck herstellen muss. Auch dieses Teil muss speziell angefertigt werden. Ich hoffe stark, dass wir alles im Zeitplan hinkriegen. Ende nächster Woche muss spätestens alles fertig sein.

Am Abend fahren wir mit der Fähre an Land. Im Fajardo Inn Hotel treffen wir uns mit Ian, Gregg und Varny im Blue Iguana Restaurant. Wie schon letzte Woche, bestellen wir auch heute wieder das phantastische Special of the Day, Chicken Fajitas. Genau, das waren die Wraps zum selber bauen. Varny und Gregg sind zwei ehemalige amerikanische Lehrer, die mit dem Schiff eines Freundes zu Viert über die Azoren nach Europa segeln wollen. Wieder eine nette, neue Bekanntschaft.

 

 02a kielbeschlag f kutterstag

Dieser Beschlag wird im Vorschiff einlaminiert, um die Last des Kutterstags aufzunehmen

02b zeichnungen decksbeschlag

Die Zeichnung für den Decksbeschlag muss ich noch mit dem Rigger diskutieren

02c laminierarbeit im vorschiff

Eine Stunde laminieren im Vorschiff

02d erste haelfte des laminats

Das Produkt des heutigen Tages: 8 Lagen Glasfaser sind verlaminiert

 

 

Donnerstag, 3. Mai 2012, zweite Lage Laminat, zurück in die Sunbay Marina

Die Jungs fangen früh an zu arbeiten. Um halb acht stehen sie auf der Matte. Zunächst muss wieder geschliffen werden, zum Einen das aufgetragene GFK von gestern, zum Anderen noch großflächiger das Gelcoat um die gestern schon freigelegten Flächen herum abgetragen werden. Das Wetter bleibt gut, es regnet nur ein paar Tropfen und so ist die Arbeit um 13 Uhr erledigt. Wir bezahlen cash und fahren um halb zwei wieder zurück in die Sunbay Marina an unseren alten Liegeplatz. Ian nimmt unsere Leinen an und um 14 Uhr liegen wir wieder gut vertäut.

Varny und Gregg kommen am Abend mit ein paar Dosen Bier vorbei. Sie liegen an unserem Steg schräg gegenüber, sind sehr interessiert an unserem Schiff und so sitzen wir eine Stunde im Cockpit und plaudern, bis es dunkel wird.

 

 03a gipsy bei salomon yacht repairs

Unser Liegeplatz bei Salomon Yacht Repairs neben der Isleta Marina. Die Condos in den beiden Hochhäusern sind derzeit kaum bewohnt. Jedenfalls brennen am Abend nur in sehr wenigen der Appartments Lichter.

03b seilzug des schwimmdocks

Seilzug einer Art Schwimmdock der Werft, wobei dieses Dock nicht aufschwimmt, sondern von den Drahtseilen aus dem Wasser gezogen wird.

03c zweite lage laminat

Heute kommt die zweite Lage Laminat drauf, noch einmal 4 Lagen Glasfasermatte, diesmal großflächiger

03d auge im vorschiff fertige arbeit

Fertig! So schnell kann man 1000 Dollar ausgeben.

Donnerstag, 3. Mai 2012

Capitana am Wort

Bye, bye!

Nach langer Zeit melde ich mich wieder einmal persönlich. Nachdem wir nun nahezu zwei Jahre und 7600 Seemeilen mit dem Segelboot unterwegs sind, habe ich mich entschlossen, die Reise zu beenden. Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Es sind ein paar Faktoren, die mir das Leben an Bord erschweren. Ganz im Vordergrund steht die Seekrankheit bei den langen Törns, die wir natürlich immer wieder vor uns haben, obwohl es die letzten Wochen in den Virgin Islands herrlich war, da sich hier die Wellen nicht so stark aufbauen. Lange habe ich mir überlegt, ob ich es denn doch noch weiter versuchen soll. Wenn ich aber an die langen Schläge auf See denke, geht es mir nicht gut dabei.

Ich freue mich darüber, dass wir gemeinsam die Reise über den Atlantik fast ohne Zwischenfälle geschafft haben. Ronald wird nun von Puerto Rico aus die Reise fortsetzen und ich werde sicherlich mit einem weinenden Auge die Abenteuer im Netz verfolgen. Mit dem lachenden Auge werde ich mich im Ländle mit Familie, Freunden und Bekannten über die Zeit des Segelns unterhalten und wieder ein "geordnetes" Leben führen. Nachdem wir die letzten zwei Jahre Beziehung auf engstem Raum gelebt haben, steht uns nun das genaue Gegenteil bevor. Ich denke, wir werden auch das schaffen.

Nun wünsche ich allen Lesern unseres Blogs weiterhin viel Spaß auf dieser abenteuerlichen Reise. An dieser Stelle auch ein Dankeschön an alle unsere virtuellen Begleiter, ganz besonders an jene, die uns gelegentlich mit Emails, Telefonaten oder Gästebucheinträgen mit Lebenszeichen oder guten Wünschen aus der Heimat versorgt haben.

Dienstag, 1. Mai 2012

Chef an Bord

Montag, 30. April 2012, Chef an Bord

Wie es der Zufall will, befindet sich mein langjähriger Chef anlässlich einer Hochzeitsfeier mit kompletter Familie auf Puerto Rico, und die Spitze des Zufalls gipfelt darin, dass sie in einem Hotel residieren, dass mehr oder weniger gleich um die Ecke liegt. Da wir noch den Leihwagen haben, holen wir sie vom El Conquistador ab und machen eine kleine Bootsbesichtigung. Wir freuen uns, wieder einmal Freunde aus der Heimat zu sehen, auch wenn die zur Verfügung stehende Zeit knapp bemessen ist.

Bevor wir den Wagen zurückbringen, gehen wir noch schnell im Enco einkaufen und werden dann vom Fahrer zur Marina zurück gebracht. Anschließend bekomme ich noch etwas Stress mit meiner hiesigen Telefonkarte. Weil ich versucht hatte, ins europäische Ausland zu telefonieren, wurden mir 10 Dollar von meinem schon eingezahlten 40 Dollar Guthaben abgebucht, die aber für Telefonate und Internet ab 2. Mai gedacht waren. Nun reicht das Guthaben nicht mehr aus für dieses 40 Dollar Paket und im Callcenter erfahre ich, dass ich die fehlenden 10 Dollar ausschließlich in einem simple shop aufladen kann. Das finde ich total super um nicht zu sagen, ich bin stinksauer. Kann ich doch eine halbe Stunde mit dem Fahrrad radeln, um dorthin zu kommen und nochmal eine retour. Auf dem Zettel, den ich bekommen habe, steht eine PIN Nummer, 16-stellig. Die gebe ich telefonisch ans callcenter durch und nun sollte auch weiteres telefonieren und surfen für einen Monat möglich sein.

Den Abend verbringen wir mit zwei Flaschen Rotwein, Baguette, Käse, Oliven und Ian (dem Australier) bei uns im Cockpit. Toller Abend, toller Tag. Morgen geht es rüber in die Isleta Marina.

 

030b gisela peter ron chr

Wiedersehen fast am anderen Ende der Welt: Gisela und Peter zu Besuch bei uns in der Marina